Sonntag, 24. Juni 2018

Israel 2018 - Tag 6 - Zentren des Glaubens



18. Juni 2018

Nun gut, als am Sonntag abend Shibli für Montag 5.30 Uhr Wecken ausrief, dachten wir alle, er macht einen Scherz. Aber es war sein voller Ernst und im Nachhinein hat sich das als wirklich sinnig herausgestellt.

Also standen wir um Punkt 7.00 Uhr am Bus und starteten in Richtung Tempelberg Jerusalem. Unsere Gruppe ist wirklich ganz wunderbar, sie halten sich an Absprachen und sind verlässlich da. Einer aus unserer Reisegruppe muss leider im Hotel das Bett hüten, da er sich eine Magen-Darm-Infektion eingefangen hat. Schade, dass er den Tempelberg nicht mit uns besuchen kann.

Um 8.00 Uhr stehen wir an der Kontrolle zum Tempelberg, Schultern und Knie bedeckt und lassen uns und unsere Sachen durchleuchten. Alle kommen gut durch die Kontrolle und wir betreten durch einen langen überdachten Holzgang den Tempelberg. Die große goldene Kuppel des Felsendoms ist weithin sichtbar und wir betreten durch das Maghrebinertor den Bezirk, das ist der einzige Zugang für Nichtmuslime. Der Tempelberg ist für gläubige Muslime die drittheiligste Stätte, nach der Kaaba in Mekka und des Grabes von Mohammed in Medina. Aber auch für Juden und Christen ist der Tempelberg ein heiliger Ort, hier lehrte Jesus, hier standen Abrahams Altar und die beiden jüdischen Tempel.

Heute kann man den Tempelberg nur außerhalb der muslimischen Gebetszeiten besuchen und da war es eben sehr gut, dass wir schon um 8.00 Uhr da waren und so gut wie keine Warteschlange hatten. Die Innenbesichtigung der Gebäude auf dem Tempelberg ist eh nur Muslimen gestattet. 



            Das ist das Höllental, der Überlieferung nach der Ort, an dem in Jerusalem Aussätzige verbannt
                                    wurden und somit von der Bevölkerung ferngehalten wurden. 









Der Name „Al-Aqsa-Moschee“ geht auf die 17. Sure des Korans zurück, sie wird als „die am weitesten von Mekka entfernteste Moschee“ bezeichnet. Shibli erzählt uns die Geschichte, dass eines Nachts Mohammed der Engel Gabriel erschien und ihm auftrug, er solle das geflügelte Pferd Buraq besteigen. Dies trug ihn dann erst zur Al-Aqsa-Moschee und danach in den Himmel, wo Gott ihn unterrichtete. In derselben Nacht trug ihn dann Buraq wieder zurück.

Die erste Moschee wurde bereits 705-715 von Kalif Walid errichtet, wechselvoll war die Geschichte mit Erdbeben und Kriegsgetümmeln, Kreuzzügen, unter denen der Tempelberg wieder in christliche Hände und die Templer gelang und sie dann wieder am 1187 durch Saladin wieder zur Moschee umgewandelt wurde. Auch in neuerer Zeit kommt sie nicht zur Ruhe, 1951 wurde der jordanische König Abdullah I beim Betreten der Moschee von einem Araber ermordet.

Zwischen Al-Aqsa-Moschee und Felsendom befindet sich ein ritueller Reinigungsbrunnen. Die Bögen, die die Stufen zum Felsendom überspannen, heißen „die Waagschalen des jüngsten Gerichtes“, hier sollen, so glauben Muslime, am Jüngsten Gericht die Waagschalen aufgehängt werden, in denen die guten und schlechten Taten gewogen werden.














Der Felsendom birgt in seinem Inneren den heiligen Felsen. Nach jüdischer Überlieferung ist es die Stelle, an der Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte. Nach islamischer Tradition ritt Mohammed von hier aus auf Buraq in den Himmel. 55m hoch ist die Kuppel des „Schmuckkästchens“ wie er auch genannt wird. Er ist keine Moschee, sondern ein Gebäude für den heiligen Felsen.

Wir haben viel Zeit, um uns den Tempelberg genau anzusehen. Von hier aus hat man auch einen wunderbaren Blick auf den Ölberg. Mich amüsieren die vielen Männern in türkisfarbenen Röcken, die man anziehen muss, wenn man in kurzer Hose auf den Berg will. 






Wir sammeln uns und machen uns auf den Weg durch einen überdachten Gang an die Klagemauer. Eigentlich ist es die westliche Stadtmauer, aber frühe Beobachter dachten, die Beter an der Mauer, die ihren Körper vor und zurückwippen, klagen und weinen. Das gehört jedoch zur Meditation und hat mit Klagen nichts zu tun. Aber da war der Name schon geprägt und hat sich bis heute erhalten.

Der Bereich ist 18m hoch und 48m lang und in zwei Teile, einen für Männer und einen für Frauen, unterteilt. Die unteren Steinreihen stammen wohl noch aus der Zeit von Herodes. In den Fugen der Mauer stecken viele kleine Zettel, die jeweils vor dem Schabbat von den Rabbinern eingesammelt werden und verbrannt werden. Wer als Mann an die Mauer will, muss eine Kippa tragen, es liegen Kippas aus Papier dafür aus. Bei den Frauen fällt mir auf, dass sich viele rückwärts von der Mauer wegbewegen und erst weit vorne sich umdrehen und dann normal weiterlaufen.

Bei Tag hat er eine ganz andere Ausstrahlung wie bei der Nachtfahrt vor zwei Tagen. Es ist heute Bar Mizwa Tag und viele Familien haben sich versammelt, um dieses hohe Fest der Juden, bei dem die 13jährigen Jungen zu Männern werden und aus der Thora lesen dürfen, zu feiern. Es befremdet uns, dass die Frauen hinter der großen Wand auf Bänken stehen und nur über den Zaun schauend teilnehmen können. Aber das gehört nun mal hier zur Lebensweise und Tradition. Es scheint ein wirklich großes Fest für die Familien zu sein, die Männer und Jungen tanzen, die Frauen schreien und werfen Süßigkeiten über die Wand hinüber zu den Männern. 











Weiter geht es zu Fuß durch das jüdische Viertel. Mitten drin steht wieder ein siebenarmiger Leuchter aus Gold, der für den dritten Tempel gedacht ist. Alleweil steht jedoch noch der Felsendom an der Stelle, deshalb hat man den Leuchter hier aufgestellt. Wir kommen durch den freigelegten Abschnitt des antiken Cardo maximus, einer breiten Hauptstrasse aus byzantinischer Zeit, die heute tief unter dem Straßenniveau liegt. Sie verband damals die Grabeskirche mit der Nea, der wichtigsten Marienkirche damals. Eine Wandmalerei neueren Datums zeigt den Trubel, der wohl damals auf dieser Straße los war.










Durch das armenische Viertel erreichen wir den Berg Zion. Durch das Zionstor führt der Weg hinauf. Bald kommt die Dormitio in Sicht. Bei seinem Besuch 1898 kaufte der deutsche Kaiser Wilhelm II das Areal und übergab es dem Deutschen Verein vom heiligen Lande. Eine Marienkirche nach Vorbild des Aachener Doms wurde darauf gebaut, die 1908 geweiht wurde. Dormitio bedeutet „Entschlafung Maria“ und nach christlicher Überlieferung ist das der Ort, an dem Maria, die Mutter Jesu vor ihrer Himmelfahrt entschlafen ist. Die Kirche ist einfach atemberaubend schön. In der Apsis ist Maria mit dem Kind dargestellt, in vielen Nebenapsiden sind wunderschöne Mosaike mit z.b. der Patrona Bavaria dargestellt. Gold dominiert als Hauptfarbe und die Sonne bringt das Innere der Kirche ganz wunderbar zum Strahlen. In der Krypta der Kirche befindet sich unter einer Kuppel mit schönen Mosaiken eine Darstellung der entschlafenen Maria. Wir nehmen uns die Zeit und singen ein Marienlied, ein sehr emotionaler Moment für mich.



















Weiter geht es zum Abendmahlsaal, dem „room of the last supper“. Diese Bezeichnung erheitert uns alle. Sein Gewölbe wird von drei Säulen getragen und in seiner wechselvollen Geschichte wurde er auch als Moschee genutzt. Daran erinnert noch immer der Platz des Vorbeters in einer Gebetsnische.

Der christlichen Überlieferung nach feierte hier Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl und hier soll auch das in der Apostelgeschichte beschriebene Pfingstwunder geschehen sein.

In einer Seitennische steht eine Skulptur, ein Ölbaum, der drei Früchte trägt, Trauben, Weizen und Oliven. Dies soll das gute Zusammenleben der drei Religionen Judentum, Islam und Christentum symbolisieren. 



















Im Untergeschoß befindet sich eine Synagoge, die nach jüdischer Überlieferung einen Steinsarg mit den sterblichen Überresten von König David enthält.

Wir laufen zum Bus und fahren zurück nach Bethlehem. Wir besuchen eine Kooperative, die christliche Palästinenser gegründet haben und die die Menschen vor Ort, die Hilfe brauchen, unterstützt. Es gibt allerlei aus Olivenholz zu kaufen, natürlich Krippen und Krippenfiguren in allen Formen und Größen, Geschirr, Rosenkränze, Kreuze und noch vieles mehr. Nach dem Mittagessen in Bethlehem steht dann noch ein Highlight an, die Geburtskirche.

Die Geburtskirche ist UNESCO-Welterbe. Um sie zu betreten, muss man sich ganz klein machen, der Hauptzugang ist nur in demütig gebückter Haltung zu betreten. Gott wird klein und auch wir machen uns klein, um ihn zu suchen und zu finden, ist wohl die Botschaft dahinter. In ihr findet sich die 12m lange und 4m breite Geburtsgrotte, zu der von beiden Seiten des Hochaltares Treppen hinunterführen. Auch hier müssen wir nicht warten und können die Geburtsgrotte sofort betreten. 








Unter dem Geburtsaltar findet sich ein 14-zackicker-Silberstern. In einem halbrunden Bogen hängen 15 Laternen, die die verschiedenen Religionsgemeinschaften symbolisieren. Hier wird in jedem Jahr das Licht von Bethlehem entzündet, das wir auch in unserer Pfarrei empfangen und weitergeben. Die Aufschrift auf dem Stern lautet übersetzt: „Hier hat die Jungfrau Maria Jesus Christus geboren“. Alle aus unserer Gruppe knieen nieder und betrachten und berühren den Silberstern.

Direkt daneben schließt sich die kleine Krippengrotte an, in der laut der heiligen Schrift die Hirten das Christuskind anbeteten, direkt gegenüber gedenkt man der Anbetung durch die heiligen drei Könige, hier sieht man auch – oder man erahnt ihn hinter der goldenen Absperrung – den Futtertrog, in den Maria ihr Neugeborenes legte. 













Da wir als Gruppe allein in der Grotte sind, nutzen wir die Gelegenheit und singen „Zu Bethlehem geboren“ und „Stille Nacht“. Wir gehen nach oben und betrachten den orthodoxen Hauptaltar und Teile des antiken Fußbodens, der zur Zeit freigelegt wird. Die Kirche wird gerade renoviert und große Bauzäune schirmen Teile der Kirche ab.

Während fast alle Kirchenbauten im Jahr 614 von den vorrückenden Persern zerstört wurden, wurde die Geburtskirche verschont und ist somit wohl die einzige erhaltene Kirche aus dieser Zeit. Man nimmt an, dass die Perser Abstand von einer Zerstörung genommen haben, weil an der Hauptfassade die heiligen drei Könige in orientalischen Gewändern dargestellt waren. 














Wir gehen hinüber in die Katharinenkirche, hier sieht man eine Höhle, in der der Hl. Hieronymus die Einheitsübersetzung der Bibel, so wie wir sie auch heute noch haben, angefertigt hat. Über eine Verbindungstür in der Höhle gelangt man direkt in die Geburtsgrotte, diese wird jedoch nur an Weihnachten oder bei Prozessionen der Franziskaner geöffnet. Wir sehen das Jesuskind aus Holz, das das Jahr über im Seitenaltar der Katharinenkirche liegt und an Weihnachten unter dem Hauptaltar Platz findet.

Es gibt mehrere Höhlen unter der Geburtskirche, eine wird die Grotte der unschuldigen Kinder genannt, hier fand man bei Ausgrabungen Kindergebeine und man geht davon aus, dass dies die Kinder sind, die König Herodes ermorden ließ in der Hoffnung, er würde den neugeborenen Jesus und somit den angekündigten König der Juden ermorden können. 



















Nach diesem wirklich vollen Programm kehren wir wieder in unser Hotel zurück. Wir treffen uns vor dem Abendessen zum Abendimpuls und lassen dann den vorletzten Tag unserer Reise in Ruhe ausklingen. 


Wenn jeder Mensch auf der Welt,
sich nur einmal am Tag für einen kurzen Moment
an dem Wunder einer Blume erfreute,
den Duft einer Rose atmete
dem Rauschen des Windes lauschte,
oder den Wind auf seiner Haut nachspürte,
dann bekäme die Menschheit eine leise Ahnung
von dem großen Geschenk,

das Gott uns in seiner Natur gemacht hat.



Das Staunen über die wunderbare Schöpfung
würde uns Menschen so sehr erfüllen,
dass Kriege und Streit überflüssig würden.


Ein großer Traum,

vielleicht zu groß für einen Einzelnen,
aber je mehr Menschen diesen Traum mit mir träumen,
um so mehr wird er zur Wirklichkeit.



(Bernadette Muckelbauer)





Seid behütet
Eure Karin 

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