17. Juni 2018
Eigentlich wollten wir am Sonntag noch einmal
nach Jerusalem fahren und dort die Klagemauer und den Tempelplatz mit der Al-Aqsa-Moschee
und dem Felsendom besuchen. Aber unser Führer Shibli hat in Erfahrung gebracht,
dass wir an diesem Tag nicht auf dem Tempelberg zugelassen sind. Deshalb hat er
in Absprache mit uns das Programm geändert und wir besuchen heute Jericho,
Qumran und das Tote Meer.
Früh geht es los, mittlerweile wissen wir es
zu schätzen und nehmen gerne das frühe Aufstehen auf uns. Weil Sonntag ist,
haben wir unseren Gottesdienst auf den Hirtenfeldern in Bethlehem nicht verschoben,
sondern können ihn in einer wunderbaren Anlage auf den Hirtenfeldern draußen feiern.
Die Hirtenfelder sind ein kleines Areal, auf
dem der Überlieferung nach den Hirten die Geburt Jesu verkündet worden ist. Es
liegt im kleinen Städtchen Beit Sahur im Westjordanland. Zuerst besuchen wir die kleine Kapelle, in der
das Geschehen der Verkündigung an die Hirten bildlich dargestellt ist. Sie
erinnert mich ein wenig an Dominus Flevit, die wir gestern besucht haben. Die
Kuppel wölbt sich über das komplett mit dem sogenannten Jerusalem-Stein
verkleidete Gebäude. Es wurde 1953/54 über einer kleinen Grotte in Form eines
Zeltes errichtet. Verwaltet wird es vom Franziskanerorden. Umfangreiche Ausgrabungen
liegen rund um die Kapelle, z.B. die Ruinen eines byzantinischen Kloster aus
dem 4.-8. Jahrhundert und die Überreste einer antiken Siedlung aus dem 1.
Jahrhundert n. Christus. Oben auf der Kapelle ist ein Stern angebracht, der
jeden Abend beleuchtet wird und an die Verkündigung erinnert.
Um 9.00 Uhr beginnen wir unseren Gottesdienst
unter einer kleinen Pergola mit einem schönen Ausblick auf Bethlehem. Wir
singen und beten und hören das Evangelium von der Verkündigung an die Hirten an
diesem besonderen Ort. Sicher werde ich ab sofort immer an Weihnachten dieses
Bild vor Augen haben. Pfr. Roy schenkt uns einige schöne Gedanken dazu und so ist
dieser Gottesdienst mal wieder eine Zeit in der Zeit, die mich sehr berührt.
Nach dem Gottesdienst haben wir noch Zeit, die
Verkündigungsgrotte anzusehen. Da aber gerade eine Gruppe eine Führung darin
hat, können wir nur von der Tür aus einen kleinen Blick erhaschen, aber das ist
völlig in Ordnung.
Wir brechen auf und fahren dann nach Jericho
durch das Siedlungsgebiet, d.h. eigentlich Gebiet der Palästinenser und von den
Israelis durch die Mauer einfach abgetrennt. Die Siedler haben viele Vorzüge,
weniger Steuern, Hilfen beim Bau der Häuser und die Kinder bekommen bevorzugt
Schul-und Studienplätze, damit sie sich da ansiedeln. Auch hier spüren wir die
Brisanz vor Ort. Wir sehen viele Beduinenplätze mit Zelten und vielen Tieren.
Shibli erzählt uns, dass diese Beduinen schon mehrfach von ihren Plätzen
vertrieben wurden und es in Zukunft auch wieder vorkommen wird. Die politische
Lage in Israel ist wirklich mehr als kritisch.
Wir fahren an der Herberge des barmherzigen
Samariters vorbei. Schon in biblischen Zeiten standen hier Herbergen und so wird
die Geschichte vom Mann, der überfallen wird und der dann von einem Priester
und einem Tempeldiener achtlos liegengelassen wird, aber dann in einem
Samariter einen Helfer findet, sehr anschaulich.
Jericho hat heute 25.000 Einwohner, ist die kleinste
Stadt Israels und es leben ca. 400 Katholiken in der Stadt. Es ist mit 250m
unter dem Meeresspiegel die tiefstgelegene Stadt der Welt. Da es Süßwasserquellen
in der Stadt gibt, gedeihen Früchte wie Datteln und Bananen besonders gut. Unser
Führer erzählt uns, dass hier 2-3x pro Jahr geerntet werden kann.
Jericho wurde um 1300 v.Chr. von den Israeliten belagert und die Stadtmauern wurden vom Schall der Posaunen und vom Kriegsgeschrei der Israeliten zum Einsturz gebracht, so lesen wir es in der Bibel. Es war wohl eher so, dass Jericho damals schon seine besten Zeiten hinter sich hatte und die Stadtmauer derart marode war, dass die einfallenden Horden wenig Mühe damit hatten.
Jericho wurde um 1300 v.Chr. von den Israeliten belagert und die Stadtmauern wurden vom Schall der Posaunen und vom Kriegsgeschrei der Israeliten zum Einsturz gebracht, so lesen wir es in der Bibel. Es war wohl eher so, dass Jericho damals schon seine besten Zeiten hinter sich hatte und die Stadtmauer derart marode war, dass die einfallenden Horden wenig Mühe damit hatten.
Jesus soll hier den blinden Bartimäus geheilt
haben, unsere Kinder im Kindergottesdienst lieben diese Geschichte. 1948 wurde
das Örtchen Jordanien zugeschlagen, 1967 eroberten die Israelis das Westjordanland
und halten es seitdem besetzt. 1994 zog Yassir Arrafat in Jericho ein, um hier
mit der Teilautonomie die ersten Schritte in Richtung eines palästinensischen
Staates zu machen. Auch hier spüren wir wieder die kritische politische Lage
dieses Landes.
Westlich des alten Jerichos erhebt sich der
350m hohe Berg der Versuchung, auf dem Jesus 40 Tage gefastet und dann vom
Teufel in Versuchung geführt wurde. Wir besuchen nur einen Ort, an dem man einen
besonders guten Blick hat auf den Versuchungsberg und das Kloster, dass dort Ende
des 19. Jh. von griechisch-orthodoxen Mönchen erbaut wurde. Die Zeit reicht leider nicht aus, um mit einer
der verglasten Kabinen einer Seilbahn auf den Berg hochzufahren.
Nach einem ausgiebigem Fotostop mit Verkostung
von wirklich köstlichen Datteln aus Jericho geht es weiter zu einem 2000 Jahre
alten Maulbeerfeigenbaum. Auf ihm, so erzählt es die Bibel, saß der Zöllner
Zachäus. Jesus sah ihn und lud sich, zur Verwunderung aller, bei ihm, dem
Sünder und Römerfreund zum Abendessen ein.
Auch unseren nächsten Halt kennen wir aus der
Bibel sehr gut, wir besuchen die Taufstelle am Jordan. Zuerst sind wir erschrocken
über die braune Brühe, die wir sehen, aber Shibli versichert uns, das Wasser
ist sauber, es wird nur viel Sand aufgewirbelt durch die vielen Menschen, die
darin herumlaufen. Der Jordan ist sehr schmal an dieser Stelle und die andere
Seite ist schon Jordanien. Wir mussten auf dem Weg dahin durch eine Art
militärisches Sperrgebiet fahren, in dem Kirchen und Häuser verfallen sind. Mittlerweile
hat es über 40°, aber es ist seltsamerweise richtig gut auszuhalten. Wir haben
viel Zeit, den Ort zu erkunden und sammeln uns dann, um gemeinsam das Tauflied „Fest
soll mein Taufbund immer stehen“ zu singen.
Wir brechen wieder auf und fahren nach Qumran,
das 20km südlich von Jericho liegt. Auch hier sind zwar einige Busse, aber die
Menschen verlaufen sich in diesem weitläufigen Komplex. Ein bisschen müssen wir
warten, dann können wir die Ausstellungsräume betreten.
Der Ort weckte 1947 das Interesse der
Weltöffentlichkeit, als ein Nomadenjunge in einer Höhle, in der er eine
verschwundene Ziege suchte, Tongefäße mit Schriftrollen entdeckte. Knapp 900
solcher uralten Rollen wurden gefunden. Sie stammen aus den Jahren 150 v. Chr. Bis
70 n. Chr., u.a. enthielt ein Pergament sämtliche 66 Kapitel des Buches Jesaja
und andere, bisher unbekannte Psalmen von Josua und David. Ganz klar, dass sehr
umfangreiche Ausgrabungsarbeiten rund um die Höhle stattfanden. Zuerst wurde
der ganze gefundene Ruinenkomplex als Essener-Kloster gedeutet. Dies war eine
Religionsgruppe mit etwa 4000 Mitgliedern, nur Männer, ohne Geld, die nur von
dem lebten, was die Umgebung ihnen gab. Ein Film, den wir in der Ausstellung
ansehen, macht das Leben und die Lebensweise der Essener deutlich.
Neueren Forschungen zufolge war Qumran ein
Militärlager der jüdischen Könige zur Überwachung der Grenze, da man deutliche
Hinweise darauf fand, dass hier auch Frauen und Kinder lebten, was nicht zur Lebensweise
der Essener passen würde. Außerdem wurden die Schriftrollen in den Höhlen sehr
hastig und ohne Ordnung deponiert, so dass man davon ausgeht, dass sie nichts
mit den Ruinen außen herum zu tun haben, sondern eiligst in Sicherheit vor was
auch immer gebracht wurden. Die Funde aus Qumran sind im Israelmuseum und im
Schrein des Buches als Repliken zu sehen.
Das kleine Museum ist sehr interessant und als
wir nach dem klimatisierten Ausstellungsräumen die Außenanlagen betreten, wirft
uns die Hitze im ersten Moment fast um. Aber dann hilft doch ein stetiger Wind,
die hohen Werte zu verkraften. Nach dem Rundgang durch Innen- und Außenanlagen
ist es Zeit zum Mittagessen.
Nach dem Essen machen wir uns auf ans Tote Meer. Auf dem Weg erfahren wir viel über die Geschichte und den Zustand dieses Gewässers. Es hat einen besonders hohen Salzgehalt von mehr als 30%, im Mittelmeer sind es lediglich 3%. Deswegen kann man auch nicht untergehen. Aber es geht ihm nicht gut, im Jahre 2050 wird, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, das ganze Tote Meer verschwunden sein. Shibli erzählt uns, dass vielfältige Maßnahmen geplant sind, dieses Gewässer zu erhalten, eine davon ist es einen Kanal vom Roten Meer zum Toten Meer zu bauen und es zu entsalzen, damit es als Trinkwasserreservoir genutzt werden kann. Dann wäre zwar die Touristenattraktion dahin, aber es wäre ein weiterer Schritt zum Frieden, da die Streitereien um die Wasserrechte im Hl. Land etwas entschärft werden könnten.
Er gibt uns viele Anweisungen für das Baden,
die hochkonzentrierten Mineralien wirken auf den menschlichen Körper wie Gift,
das Wasser darf nicht getrunken werden, das ist hochgefährlich. Auch wenn in die
Augen kommt, hilft nur schnelles Auswaschen mit den Duschen vor Ort, um Schäden
am Auge zu vermeiden. Länger als 20 Minuten sollte man nicht im Wasser sein und
wichtig ist es, innerhalb der Badebegrenzung zu bleiben. Und natürlich Trinken,
Trinken, Trinken, das beherzigen wir alle aber jedoch mittlerweile sehr gut.
Danach gibt uns Shibli frei und alle marschieren Richtung Umkleiden und Meer. Auch
ich laufe im Wasser einige Schritte, damit ich auch mal drin war, dann verziehe
ich mich in den Schatten, mir tut die viele Sonne bei mittlerweile 43° einfach
nicht gut. Aber viele aus der Gruppe haben großen Spaß und genießen es, auf dem
Rücken liegend im Wasser zu treiben. Alle gehen verantwortungsvoll mit sich um,
so dass wir nach zwei Stunden wieder im Bus Richtung Bethlehem sitzen.
Das Abendessen haben wir wegen des WM-Spieles der deutschen Mannschaft gegen
Mexiko nach hinten verschoben, es ging leider verloren, was jedoch der guten
Stimmung innerhalb der Gruppe keinen Abbruch tut.
Glück ist …
… wenn du staunst, weil jeden Morgen Licht da ist,
… wenn du glücklich bist, weil deine Augen sehen,
deine Hände fühlen und deine Füße laufen,
… wenn du singst, weil dein Herz schlägt.
Glück ist …
… wenn du weißt, dass du lebst,
… wenn du denkst, dass heute der erste Tag deines
restlichen Lebens beginnt,
… wenn du mit reinem Blick auf Menschen und Dinge
schaust.
Glück ist …
… wenn du lachen kannst,
… wenn du dich freuen kannst über die einfachen Dinge
im Leben,
über die kleinste Blume am Wege deines Lebens,
… wenn du geliebt wirst und wenn du weißt, du hast
Freunde, die zu dir stehen.
(Verfasser unbekannt)
Seid behütet
Eure Karin 


























































Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen