Mittwoch, 20. Juni 2018

Israel 2018 - Tag 4 In Jerusalem

16. Juni 2018

Auch der vierte Tag unserer Reise beginnt sehr früh. Heute haben wir wirklich ein straffes Programm, Jerusalem steht auf dem Plan.

Wir fahren von Bethlehem aus durch die Grenze und die Mauer, die uns alle erschreckt, nach Jerusalem. Der erste Halt ist die Himmelfahrtskapelle. Das kleine achteckige Gebäude stammt aus der Kreuzfahrerzeit. Mauerwerk und Kuppel sind aus dem 12. Jahrhundert. Hier soll Jesus seine Himmelfahrt angetreten haben, wie es Lukas schreibt - und zwar so kraftvoll, dass ein Abdruck seiner Sandale im Fels blieb. Es gibt viele Menschen an dieser Sehenswürdigkeit, wir warten geduldig, bis wir in die Kapelle können. Wir betrachten das Stück Fels mit dem Abdruck des Fußes. Gemeinsam singen wir ein Lied. Wir wollen immer wieder auch das biblische Geschehen betrachten. Die Zeit und die vielen Menschen, die in die winzig kleine Kapelle drängen, lassen uns aufbrechen.




Wir laufen den Palmsonntagsweg zur Vater-unser-Kirche. In dieser Kirche ist auf über 70 Sprachen der Text des Vater Unser abgedruckt. Dies soll der Ort sein, an dem Jesus seinen Jüngern dieses so wichtige Gebet gelehrt hat. In einer kleinen Kapelle wird eine kleine Höhle gezeigt, in der der Überlieferung nach Jesus mehrere Nächte geschlafen haben soll. Seit vielen Jahren gibt es auch auch Tafeln in Blindenschrift in vielen Sprachen.
















Weiter geht es zu einer Aussichtsplattform, von der wir einen sagenhaften Blick über ganz Jerusalem haben. Unser Führer zeigt uns, wo wir in den nächsten Tagen etwas besichtigen. Felsendom, Al-Aqsa-Moschee, Via Dolorosa, Grabeskirche, Dormitio, Abendmahlssaal und noch vieles mehr. Er erklärt sehr ausführlich die Geschichte von Jerusalem.






                                            das Goldene Tor im östlichen Teil der Stadtmauer
 



Dann laufen wir den jüdischen Friedhof entlang zur Kirche Dominus Flevit, das bedeutet „Der Herr weint“ Shibli erzählt uns, dass diese Grabstellen sehr teuer sind. Manche kosten bis zu einer halben Million Dollar. Gläubige Juden möchten an diesem Platz beerdigt werden, da sie glauben, am Jüngsten Gericht teilnehmen zu können, wenn sie an diesem Platz beerdigt sind. Der Messias kommt nach jüdischen Glauben nach Jerusalem und öffnet das goldene Tor (siehe oben) im östlichen Teil der Stadtmauer. Von da wird er dann zusammen mit allen, die in diesen Gräbern liegen zum 3. Tempel auf dem Tempelberg ziehen. Das goldene Tor (auch "Tor des Erbarmens") führt als einziges der acht Stadttore von Jerusalem direkt auf dem Tempelberg. 

Da immer nur einer in diesen Gräbern bestattet wird, im Judentum kennt man keine Familiengräber, wird langsam der Platz für Gräber in der Stadt knapp und man sagt, die Toten hätten mittlerweile mehr Platz in Jerusalem wie die Lebendigen.



Dominus Flevit wurde auf den Resten einer byzantinischen Kirche erbaut und wurde in Form einer Träne erbaut. Der Überlieferung nach war dies der Ort, an dem Jesus weinte, weil er wusste, dass die Stadt Jerusalem zerstört werden würde. Gerade wird von einer anderen Gruppe eine Messe gefeiert, deshalb können wir die Kirche nicht besuchen. Durch die guten Beziehungen unseres Führers dürfen wir jedoch durch die Sakristei einen kleinen Blick in die Kirche erhaschen. Hier ist es bestimmt ein Erlebnis, Gottesdienst zu feiern. Als Teilnehmer schaut man auf den Tempelberg, da der Altar vor einer Glaswand direkt davor gebaut wurde. Auch hier haben wir viel Zeit, um Eindrücke zu sammeln und sie auf uns wirken zu lassen.





Ein kurzes steiles Stück laufen wir den Berg noch hinunter, dann ist der Garten Gethsemane erreicht. Der Name ist abgeleitet vom hebräischen Gat Shemanim, was Ölpresse bedeutet. Es war wohl früher ein Olivenhain mit einer Ölmühle. An diesem ruhigen Ort gedeihen einige uralte, knorrige Olivenbäume. Einige sollen sogar noch aus der Zeit Christi stammen. Nach dem Abendmahl kam Jesus mit den Jüngern in diesen Garten, um hier zu übernachten. Dann überfiel ihn Todesangst und vor Furcht schwitzte er Blut. Er ging ein Stück fort von den Jüngern, kniete nieder und sprach die Worte: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Eigentlich hatten wir eine Andacht in der Kirche geplant. Aber unser Führer hat für uns die Möglichkeit einer Messe organisiert. Wir nehmen diese Möglichkeit gerne wahr und feiern an diesem außergewöhnlichen Ort Eucharistie. Wir betreten die Kirche, die auch „Basilika der Todesangst“ genannt wird. Die Innenausstattung ist prächtig. Viele Nationen spendeten für den Bau Geld, daher heißt sie auch „Kirche der Nationen“. Vor der Hauptapsis befindet sich der Fels, auf dem Jesus der Überlieferung nach in Todesangst betete. Über der Apsis zeigt ein Mosaik dieses Geschehen. In einer der Nebenapsiden stellt ein Mosaik den Verrat des Judas und die Gefangennahme Jesu da. Es ist wirklich ein besonderer Ort, an dem wir hier Gottesdienst feiern. Es ist für uns alle sehr ergreifend, um diesen Fels zu stehen und miteinander Abendmahl zu halten.














Nach dem Gottesdienst laufen wir weiter in Richtung Altstadt. Als nächstes erreichen wir das Mariengrab. Die Fassade und die breite Marmortreppe zur Krypta stammen noch aus der Kreuzfahrerzeit. Auf halbem Weg liegen seitlich zwei Kapellen, die orthodoxen Christen verehren darin die Gräber des heiligen Josef links und jene von Marias Eltern Joachim und Anna. In der ursprünglich byzantinischen Krypta befindet sich nach orthodoxem Glauben das in den Felsen gehauene Grab der Maria.






Vom Vorhof der Kirche aus gelangt man in die Gethsemane Grotte. Hier wurde Jesus laut christlicher Überlieferung von Judas verraten und ist von den Römern verhaftet worden.
Mittlerweile ist es sehr heiß und wir sind für jeden Schattenplatz dankbar. 





Nun machen wir uns auf den Weg in die Altstadt, die wir durch das Löwentor, auch Stephanstor betreten.


In der Altstadt besuchen wir zuerst das St. Anna Kloster mit den Teichen von Bethesda. Die Kirche der heiligen Anna erinnert an die Geburt Marias. Hier soll eins das Haus von Anna und Joachim, den Eltern Marias, gestanden haben.

Zuerst besichtigen wir die Ruinen der Teiche von Bethesda mit zwei riesigen etwa 10 Meter tiefen Zisternen. Laut Johannesevangelium heilte Jesus hier einen Gelähmten. Im Zuge des Tempelneubaus ließ Herodes diese Wasserspeicher erneuern und umrahmte die Anlage an allen vier Seiten mit Säulenhallen, eine fünfte ließ er über die Mauer errichten, die beide Zisternen voneinander trennte. Hier versammelten sich Kranke an dem als heilkräftig angesehenen Wasser. Der Ort hieß „Haus der Gnade“. Um geheilt zu werden, musste das Wasser bewegt sein. Der Gelähmte war nicht schnell genug, dann wenn das Wasser sich bewegte, ins Wasser zu kommen. Deshalb wartete er lang auf Genesung, bis sich schliesslich Jesus seiner annahm. Wir betreten die Sankt-Anna-Kirche, sie hat eine unglaublich schöne Akustik, deshalb versammeln sich viele Gruppen vor dem Hauptaltar und singen Lieder aus ihrer Heimat. Auch wir stellen uns auf, als wir dran sind, und singen „Oh himmlische Frau Königin“.












Nun ist es Zeit für die Via Dolorosa. Die Via Dolorosa markiert den Leidensweg Christi. Jeden Freitag um 15:00 Uhr ziehen die Franziskaner in einer großen Prozession die 14 Stationen der Via Dolorosa entlang bis in die Grabeskirche und jeder kann sich ihnen anschließen. Die Stationen 1 bis 9 befinden sich entlang der Via Dolorosa, teilweise mitten im Bazar, die Stationen 10 Uhr bis 14 innerhalb der Grabeskirche, also über Golgatha und dem Heiligen Grab.

Station 1 findet sich im Haus des Pilatus. Hier war der Teil der Festung Antonia, in dem Jesus sein Urteil erfahren haben soll. Station 2 „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern“ gegenüber im Franziskanerkloster. Wir beginnen unseren Kreuzweg in der Verurteilungskapelle, dort beten wir die erste und zweite Station. Wir betreten die Geißelungskapelle,  darin zeigen drei Buntglasfenster die Auspeitschung Jesu,  Pilatus, der sich die Hände in Unschuld wäscht und die Erleichterung des begnadigen Barrabas. In der Kuppel der Kapelle ist die Dornenkrone abgebildet . Ein paar Schritte weiter überspannt der sogenannte „Ecce-Homo-Bogen“ die Via Dolorosa. Er erinnert an die Worte des Pilatus: „Seht, da ist der Mensch“ nach der Geißelung präsentierte er  hier den Menschen mit diesem Ausspruch den geschundenen Jesus.









Wir gehen den Kreuzweg weiter. Die dritte Station ist in einer kleinen Kapelle, über der Kapelle befindet sich die armenisch katholische Kirche der Schmerzen Mariä. Die nächste Station, „Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen“ ist in einer engen Gasse. Von den Basarläden gesäumt, liegt die Station 6 „Veronika reicht Jesus das Schweißtuch“ Die siebte Station befindet sich wieder bei einer kleinen Franziskanerkapelle. Die 8. Station, „Jesus spricht mit den weinenden Frauen“ folgt kurz darauf. Es ist unglaublich, dass heute so wenige Menschen unterwegs sind. Wir können relativ unbehelligt unseren Kreuzweg miteinander beten. Dabei ist auch unsere Ausrüstung mit Kopfhörern besonders wertvoll. Aus früheren Erzählungen hörten wir, dass manchmal so viele Menschen auf der Via Dolorosa sind, das an Stehen bleiben oder ein gemeinsames Gebet nicht zu denken ist. Nun sind wir schon in unmittelbarer Nähe der Grabeskirche. Und das merken wir auch an der zunehmenden Zahl von Menschen, die dieser großen Kirche zustreben.















In der Grabeskirche beten wir die restlichen Stationen 10 bis 14, denn innerhalb ihrer Mauern liegt der Kalvarienberg oder auch Golgatha, die Schädelstätte, an der Jesus gekreuzigt wurde und starb.

Hier befindet sich auch das Grab Jesu, zugleich Ort seiner Auferstehung. Wir betrachten im Kreuzweg das Geschehen und stimmen danach unser Gößweinsteinlied „Heiliges Kreuz sei hoch verehret“ an. Sofort kommt einer der Aufseher und weist uns an, leise zu singen. Schade, man kann laut diskutierend und fotografierend durch diese Kirche gehen, aber ein christliches Lied anstimmen darf man nicht. Trotzdem singen wir unser Lied leise zu Ende.

Auch hier haben wir wohl Glück, wir mussten nur ca. 45 Minuten anstehen, dann können die ersten von uns das Grab Jesu betreten. Nach und nach gehen alle aus unserer Gruppe in das Grab, halten inne und verlassen es wieder.









Unser Führer versorgt uns derweil mit allerlei Wissenswerten.  Danach steigen wir die Treppe zur Schädelhöhe empor. Die Golgathakapelle liegt auf dem 5 m hohen Kalvarienberg. Auch hier stellen wir uns in einer langen Schlange an.

Der griechisch-orthodoxe Kreuzigungsaltar zeigt das Felsloch, in dem das Kreuz gesteckt haben soll. Der Stein kann unterhalb der Altarplatte berührt werden. Alle aus unserer Gruppe knien nieder und berühren diesen besonderen Stein. Wir sammeln uns und betrachten zum Abschluss unseres Besuches der Grabeskirche den Salbungsstein, auf dem Josef von Arimathäa und Nikodemus den Leichnam Jesu mit wohlriechenden Salben eingerieben und dann in Leinentücher gewickelt haben. Manche Besucher haben selbst Öle dabei, mit denen sie den Stein einreiben. Viele Menschen knien um diesen Stein herum und berühren ihn oder küssen ihn.









Für uns ist es nun Zeit, die Grabeskirche zu verlassen. Wir tauschen uns darüber aus, ob uns der Ort berührt hat, obwohl so viele Menschen darin waren. Für mich hatte er schon etwas Besonderes. Aber an Ruhe, Stille und Besinnung war nicht zu denken.

Unser Führer Shibli führt uns durch die Altstadt zurück zu unserem Bus und wir fahren nach Bethlehem durch die Grenze an der Mauer vorbei in unser Hotel.

Für heute abend hat Shibli für uns eine Nachtfahrt organisiert. Obwohl freiwillig, haben sich alle Teilnehmer angeschlossen. Nach dem Abendessen treffen wir uns am Bus und starten in Richtung Jerusalem. Der erste Halt ist der Schrein des Buches, wo Kopien der Schriftrollen von Qumran aufbewahrt werden. Gleich danach fahren wir zur Knesset und zur 5 m hohen großen Menora. Am 15. April 1956 wurde der Leuchter in Jerusalem von den Briten als „Geschenk des ältesten an das jüngste Parlament“ übergeben. Auf der Menora findet sich ein Stammbaum des jüdischen Volkes. Es wird z.B. Jesaia, David und Goliath, Mose und Abraham, die Bundeslade mit den 10 Geboten bis hin zum Aufbau des israelischen Staates mit Symbolen bildlich dargestellt. 

Natürlich können wir die Knesset nur von außen betrachten. Shibli erklärt uns passend dazu die politischen Verhältnisse in Israel.








Eine Stadt hat in der Nacht immer ein anderes Gesicht. Wir fahren zur Aussichtsplattform, an der wir schon am Morgen standen. Die Stadt liegt vor uns, wunderbar beleuchtet. Wir genießen den herrlichen Anblick und machen viele Fotos.






Mit dem Bus fahren wir anschließend durch das ultraorthodoxe Viertel Mea Shearim, das bedeutet "100 Tore". Unser Führer bringt uns die Kultur der orthodoxen Juden näher. Sie leben streng nach der Thora. Am Schabbatanfang verriegeln sie mit Absperrungen ihr Viertel. Große Tafeln weisen auf den Ort hin und geben Vorschriften, wie man sich dort verhalten muss. Sie erkennen den Staat Israel nicht an und viele von ihnen arbeiten nicht, sondern sehen ihre Lebensaufgabe darin, für das Kommen des Messias und den dritten Tempel zu beten. Dies ist natürlich höchst brisant, weil da, wo der dritte Tempel stehen soll, der Felsendom steht, der nach Ansicht der ultraorthodoxen Juden auf den Resten des Tempels Salomon steht. So erklären sie ihren Anspruch darauf, dass der jetzige Felsendom zerstört werden muss, damit der neue Tempel gebaut werden kann, ohne den der Messias nicht kommt. Ich verstehe langsam, dass diese Stadt wohl nie zur Ruhe kommen wird. Wir erfahren, dass die ultraorthodoxen Juden nicht verhüten und so immer sehr viele Kinder zur Familie gehören. Dadurch dass die Väter nicht arbeiten, sind die Familien, so sie nicht über betuchte Verwandte verfügen, oft sehr arm. 
Heute am Samstag endet der Schabbat mit dem Aufgehen der ersten drei Sterne. Wir sehen viele Männer mit Pelzmützen und langen schwarzen Mänteln auf den Straßen. Sie sind unterwegs zur Synagoge, um das Ende des Schabbat zu feiern. Viele sind auch auf dem Weg zur Klagemauer.

Dann fahren auch wir zur Klagemauer, die auch jetzt nach Ende des Schabbat eine ganz besondere Atmosphäre hat. Die Männer gehen auf der Männerseite und wir auf der Frauenseite hinunter zur Mauer. Ich möchte keine religiösen Gefühle verletzen und ich weiß nicht, wie man sich richtig verhält. Deshalb halte ich lieber etwas Abstand. Wir lassen uns viel Zeit und fahren dann mit vielen Eindrücken wieder zurück ins Hotel.









Der Weg





Wenn du zum Tor des Lebens gelangen willst,


musst du aufbrechen, einen Weg suchen, der auf keiner Karte verzeichnet

und in keinem Buch beschrieben ist.


Dein Fuß wird an Steine stoßen, die Sonne wird brennen
und dich durstig machen,

deine Beine werden schwer werden.

Die Last der Jahre wird dich niederdrücken.


Aber irgendwann wirst du beginnen, diesen Weg zu lieben.

Weil du erkennst, dass es dein Weg ist.

Du wirst straucheln und fallen, aber die Kraft haben, wieder aufzustehen.

Du wirst Umwege und Irrwege gehen, aber dem Ziel näherkommen.

Alles kommt darauf an,den ersten Schritt zu wagen.

Denn mit dem ersten Schritt gehst du durch das Tor.


(Wolfgang Poeplau)

Seid behütet
Eure Karin 

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