Montag, 25. April 2016

25.04.2016

Und weiter geht's. Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück ziehen wir heute Morgen wieder los. Heute bleibt uns nur das Pilgerlaufband. Direkt an der Straße, doch ist gottseidank heute nicht so viel Verkehr. Leider gibt es keine Alternative dazu. 




Manchmal macht die Straße dann doch einen kleinen Umweg. Dann entgeht man dem Verkehr für eine kurze Weile. Und dann sieht man auch so wunderbare Dinge, die Menschen, die vor uns diesen Weg gegangen sind angelegt haben.




Zu diesem Herz und dem Pfeil gesellen sich noch diverse Namen. Wir fragen uns, ob diese Pilger einfach zu viel Zeit oder einfach gerade keine Lust zum weiterlaufen hatten. Wir erfreuen uns in jedem Fall an ihren Kunstwerken. Der Weg führt uns über Calzadilla de la Cueza nach Ledigos. 


Dort sammeln wir uns und sprechen unser Morgengebet. Ein Lied schließt sich dem Gebet an. 
Ein kleiner, streunender Hund sitzt neben uns und hört ganz aufmerksam zu. Das haben wir so auch noch nicht erlebt. Normalerweise bellen die Hunde, denen wir begegnen, sehr laut, da wir sie wahrscheinlich mit unseren Stöcken aufschrecken. Aber dieser kleine Kerl scheint uns sehr wohl gesonnen.



Nach Ledigos durchwandern wir auf angenehmen kleinen Wegen eine Kette von kleinen Dörfern, immer wieder sehen wir Taubentürme, aus Lehm gebaut so wie die meisten Häuser hier. Schon von weitem zeichnet sich die Silhouette von Sahagun am Horizont ab. Aber der Weg dahin ist noch weit.

Manchmal scheinen sich die Wegplaner des Jakobsweges selbst nicht einig zu sein. Wie froh bin ich, dass ich Menschen um mich habe, die wissen, wo es lang geht.




Terradillos de los Templarios, was für ein Name! Viel gibt es hier nicht zu sehen, wir kehren in der örtlichen Pilgerherberge ein und wärmen uns mit einem Kaffee auf. Es ist immer noch empfindlich kalt. Der Kaffee tut gut und wir gehen weiter nach Moratinos. Hier gibt es einzigartige Erdhäuser,  die heute noch genutzt werden.











San Nicolas del Real Camino heißt der Ort, wo wir heute unsere große Pause machen. Eine uralte Jakobskirche  steht mitten im Ort. Wir wundern uns, dass sie noch steht, so augenfällig baufällig ist sie. Nach der Pause, die wir im Garten der örtlichen Herberge verbringen, dabei die wunderbare Sonne genießen, greifen wir das letzte Stück an diesem Tag an.












Ein Stückchen weg vom Weg, kurz vor unserem Tagesziel Sahagun, liegt die Ermita de la Virgen del Puente. 



Heute, am 25. April, ist das Patronatsfest dieser kleinen Marienkirche. Es gibt zu essen und zu trinken und viele Menschen sind vor Ort. Wir nutzen die seltene Gelegenheit, um diese offene Kirche zu besichtigen. Da gerade niemand anders in der Kirche ist, singen wir ein Marienlied und beten unser Abendgebet.  Neben der Marienstatue findet sich auch ein wohl vertrauter Heiliger in dieser Kirche, gerade für uns Langensendelbacher. Ein heiliger Wendelin,  typisch für Gegenden mit viel Landwirtschaft, so wie diese Gegend, in der wir gerade sind.





Draußen, vor der Kirche, herrscht reges Treiben. Wir werden später in Sahagun sehr viele geschlossene Läden vorfinden. Es ist ein hoher Feiertag für die ganze Stadt. Zwei Prozessionen, eine um 12:30 Uhr und eine um 17:00 Uhr finden statt. Deshalb ist die Stadt wie ausgestorben. Aber dazu später mehr. Es gibt Reste eines Tores, die vor dieser Kapelle stehen.





Wir gehen weiter und erreichen nach einer guten halben Stunde unser Tagesziel Sahagun. Unsere Herberge ist am Ortseingang, so dass wir erst unsere Zimmer beziehen, bevor wir uns in die Stadt aufmachen. Frisch geduscht geht es kurze Zeit später in die Stadt. Wie schon erwähnt,  ist sie wie ausgestorben. Es sind wohl alle beim Fest vor der Kapelle.
Die offizielle Pilgerherberge ist in einer alten Kirche eingerichtet worden. Dort holen wir uns zuerst unseren Pilgerstempel.





Und wie immer wieder begegnet uns unser Pilgerpatron Jakobus.



Die Anfänge der Stadt reichen bis in die Römerzeit zurück, worauf auch ihr Name hinweist. Er entstand aus der Verkürzung des Namens des Märtyrers San Facundo, welche in dieser Zeit gelebt hatte. Der arabische Feldherr Almansor zerstörte die Stadt im neunten Jahrhundert und nach ihrem Wiederaufbau  siedelten sich Mönche aus Cordoba, die der arabischen Herrschaft entkommen wollten, in Sahagun an.  In der Folge entwickelte das Kloster eine sehr große Ausstrahlung, so dass es ein sehr bedeutender Ort in Spanien wurde. Viele Kirchen stammen noch aus dieser Zeit und geben dafür Zeugnis.






Die wohl bekannteste ist San Lorenzo aus dem 13. Jahrhundert. Maurische Einflüsse sind ganz deutlich zu erkennen. Leider ist sie verschlossen. Davor stehen zwei Statuen, deren Bedeutung wir leider nicht herausfinden konnten.







Nach einem ausführlichen Spaziergang kehren wir in unser Hotel zurück, wo wir zu Abend essen und dann den Tag ruhig ausklingen lassen.



Kraft im Unterwegssein schenke dir Gott,
Stärkung auf deinem Lebensweg.
Mut zur Versöhnung schenke dir Gott,
Wohlwollen in deinem Leben.
Grund zur Hoffnung schenke dir Gott,
Licht in deinem Leben.
Vertrauen zum Miteinander schenke dir Gott,
Menschen an deiner Seite.
Begeisterung zum Aufbruch schenke dir Gott,
Wegbegleitung und Segen.

Seid behütet
Eure Karin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen