Samstag, 23. April 2016

23.04.2016


Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück machen wir uns in Castrojeriz auf den Weg. Das Wetter ist gut, es wurde zwar Regen gemeldet, der sich auch dann immer wieder im Laufe des Tages einstellt, aber an diesem Morgen begrüßt uns die Sonne.



An der Kirche San Juan versammeln wir uns und sprechen unser Morgengebet, dann geht es los über den Tafelberg, dem ersten Anstieg an diesem Tag. 





Doch wie immer gehen wir Schritt für Schritt und irgendwann ist dann auch dieser Anstieg geschafft. 




Oben gönnen  wir uns zuerst eine kleine Rast, bevor wir uns an den gar nicht so kleinen Abstieg machen,  geteert und somit auch nicht schön zu laufen, aber was soll's, das gehört halt auch dazu. 




An der Kirche San Nicolas, einem Hospiz aus dem elften Jahrhundert, die jedoch wie alle Kirchen, die wir heute gesehen haben, leider verschlossen ist, sammeln wir uns wieder. 
Wie immer gibt es schnelle und etwas langsamere Pilger in unserer Gruppe, aber das ist kein Problem, denn mittlerweile haben wir uns gut aufeinander eingestellt. Nach der Kirche San Nicolas betreten wir die Provinz Palencia. 


Über all auf dem Weg finden wir nun Hinweisschilder. Der Camino ist hier wirklich gut ausgeschildert. Im nächsten Ort gönnen wir uns den ersten Cafe con letche in diesem
Jahr. Man soll es nicht glauben, wie sehr man sich über eine Tasse Kaffee freuen kann. 😄







Auch in diesem Ort gibt es eine Kirche San Nicolas. Dort halten wir noch kurz inne und sprechen ein Gebet. Wir singen unser Dona Nobis und rühren dabei einen Mann, der zufällig dabei steht, zu Tränen, er freut sich sichtlich darüber, dass wir für ihn und für uns gesungen haben.

Bei Regen geht es weiter,  der Weg ist aufgelöst,  der Schlamm ist tief. Ich überlege wirklich jeden Schritt, den ich tue, um das Knie nicht noch irgendwie zu verdrehen.

Es muss hier in dieser Gegend in der letzten Zeit ziemlich viel geregnet haben, es steht wirklich alles unter Wasser.


Gott sei Dank gibt es immer wieder schöne und alte Brücken, die uns über das Wasser führen.



In Boadillo del Camino nehmen wir uns Zeit für eine Mittagspause. Überall  gibt es kleine Cafés und Herbergen, wo man einen Cafe bekommt und einen kleinen Imbiss essen kann. Dreieinhalb Stunden haben wir nur noch zu laufen, es regnet, aber die Stimmung ist trotzdem sehr gut. Der Weg führt uns an einem schönen Fluss entlang und wir erreichen unser Tagesziel Fromista. 27,3 km haben wir heute geschafft. Wir sind froh und dankbar. 

Eigentlich hatten wir geplant, in oder an der Kirche San Martin unseren Abendimpuls  zu halten. Da aber, wer hätte es gedacht, die Kirche verschlossen ist und es doch ziemlich regnet, beziehen wir zuerst unser Hotel. Die freundliche Frau an der Rezeption erklärt uns, das die Kirche erst um 17:30 Uhr geöffnet wird. Es ist alles etwas später hier in Spanien. So gehen wir alle zum frisch machen auf unser Zimmer und verabreden uns für 18:30 Uhr in der Kirche. Dann lassen wir den Tag beim Abendessen ausklingen. 








Für alle, die es interessiert: mein Knie und ich sind heute beste Freunde 😀👍. Ich hoffe, das bleibt so.


Die Kirche St. Martin entpuppt sich als eine wunderschöne romanische Kirche aus dem Jahr 1066, von Munia Mayor, der Witwe von König Sancho III von Navarra gestiftet. Wir beten unser Abendgebet und schließen es mit unserem Lied "Leise singt der Abend nieder" ab. Eine andere Gruppe, die auch in der Kirche ist, klatscht, ich kann es nicht anders sagen, stürmischen Beifall. Wir singen das Lied zweistimmig und es hört sich wirklich schön an. Sie bitten uns, noch ein Lied zu singen. Wir entscheiden uns spontan für unser Dona nobis. Die andere Gruppe singt begeistert mit. Es stellt sich heraus, dass es sich um einen Kirchenchor aus Leon in Spanien handelt. Noch eine Zugabe wird gewünscht. Wir lassen uns nicht lange bitten und  singen "Segne du Maria". Auch das Lied gefällt ihnen augenscheinlich. Wir bitten Sie, auch für uns ein Lied zu singen. Gottseidank haben wir unsere Elisabeth, die sehr gut spanisch spricht und für uns übersetzt. Nach einiger Diskussion (Sie sind eigentlich ein großer Chor und in so kleiner Besetzung (sie waren zu acht) singen sie normalerweise nicht) stimmen sie ein spanisches Marienlied an. Es klingt einfach wunderschön und wir sind alle sehr gerührt. Wir bedanken uns mit Händen und Füßen und verabschieden uns. Ein schöner Tag geht zu Ende.



Auch ein Jakobus darf natürlich in dieser Kirche nicht fehlen.




Vor dieser sehr kleinen Marienstatue mit dem Jesuskind kann man Kerzen entzünden. Natürlich entzünde ich sie für Florian, für Oma Frieda, für Marga und für alle, die mir so sehr am Herzen liegen.




Ich wünsche dir nicht
ein Leben ohne Entbehrungen,
ein Leben ohne Schmerz,
ein Leben ohne Störung.
Was solltest du tun mit einem solchen Leben?
Ich wünsche dir aber,
dass du bewahrt sein mögest an Leib und Seele.
Dass dich einer trägt und schützt.
Und dich durch alles, was dir geschieht,
deinem Ziel entgegenführt.
(Jörg Zink)


Seid behütet
Eure Karin

1 Kommentar:

  1. Liebe Karin, wie freu ich mich, dass Dein Knie trägt, die Schlammmassen Euch nicht verschlingen und ihr dann am Abend doch eine offene Kirche gefunden habt. Dir und der ganzen Gruppe einen besinnlichen und gelingenden Pilgerweg 2016. Ich bin und bleib auf Euren Spuren..... Danke für Dein Einstellen. Liebe Grüße Deine Freundin

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