Heute in einer Woche gehts wieder los. Wir starten in St. Jean Pied de Port. Am Samstag werden wir von München aus nach Bilbao fliegen und dann nach St. Jean shutteln.
Wir machen uns nun schon seit 2008 gemeinsam auf den Weg. Viel haben wir erlebt in dieser Zeit und vieles wird mir unvergessen bleiben. Die Gemeinschaft und das Miteinander auf dem Weg machen mich stark und dadurch kann ich diesen langen Weg, der 2800 km von meinem Heimatort bis nach Santiago de Compostela führt, gehen. Alleine hätte ich wohl schon innerhalb von Deutschland aufgegeben oder es wär zumindest schwerer gewesen, weiterzugehen. Da hat unsere Gruppe eine tolle Dynamik, die nicht überfordernd und aufgesetzt ist, sondern die die stillen Reserven, die sicher jede und jeder von uns in sich trägt, herauskitzelt.
Sicher, nicht immer ist das Gehen mit einer Gruppe einfach. Da heißt es viele Kompromisse machen und manchmal auch eigene Bedürfnisse hinten anstellen, damit das Ganze gelingen kann. Doch für mich überwiegen bei weitem die schönen und wunderbaren Momente. Und ich hoffe und glaube, dass es den meisten aus unserer Gruppe so geht, denn sonst wären wir wohl nicht solange miteinander unterwegs.
1 Woche noch:
Vorfreude?
Ja, unbedingt!
Angst?
Nein, nur vor zuviel Sonne, die ich ja so gar nicht gut vertrage!
Respekt?
Oh ja, vor allem vor dem ersten Tag, den Übergang nach Spanien über die Route Napoleon mit einem Aufstieg auf 1437 m. St. Jean liegt auf 169 m, der Weg führt uns über den Col de Lepoeder nach Roncesvalles auf 962 m. Das heißt dann auch auf der anderen Seite wieder steil bergab zu laufen. In vielen Reiseführern wird dieser Tag als der schwerste auf dem ganzen Camino Frances beschrieben. Aber ich habe keine Angst vor diesem Tag! Das sage ich mir mindestens 10x am Tag mantramäßig immer wieder. Ich habe keine Angst! Ok, aber doch gehörigen Respekt.
Was auch immer kommt, ich werde es meistern. Und es gibt immer einen Weg. Das ist eines von so vielen Dingen, die ich in den vergangenen 7 Jahren und auch schon weit vorher gelernt habe. Eigentlich beruhigend, was auch immer kommt - es gibt einen Weg!
Jeden Morgen, bevor wir starten, bete ich dieses Gebet in meinem Zimmer. Schon seit Beginn im Jahr 2008 und es wurde inzwischen ein Teil meines Weges. Ich weiß leider nicht, wer es formuliert hat, aber ich danke dieser oder diesem Unbekannten dafür, dass er es getan hat.
Seid behütetIch spüre den Boden unter meinen Füßen.Ich spüre die Erde, die mich trägt und hält.Ich genieße es in aller Ruhe.Ich atme tief ein.Öffne mich für die belebende Luft und für alles, was an diesem Tag auf mich zukommt.Ich genieße es in aller Ruhe.Möge die Erde, die ich heute betrete, mir gewogen sein.Möge die Luft, die ich einatme, mein Innerstes beleben.Möge das Land, das ich heute unter meine Füße nehme, mir ein wenig Heimat sein.Mögen die Menschen, die mir heute begegnen, mir eine Wohltat sein.Möge ich den Menschen, denen ich begegne, eine Wohltat sein.Möge der Weg, den ich heute gehe, mein Herz erfreuen.Darum bitte ich dich, o Gott, der du die Welt erschaffen hast,bleibe bei uns auf unserem Weg, geh mit uns heute und an allen Tagen unseres Lebens.Dich will ich loben und ehrenmit jedem Schritt undmit jedem Atemzug.Amen.
Eure Karin
| im Jahr 2013 - mitten im Nirgendwo in Frankreich (Foto: Karin Büttner) |
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