Sonntag, 24. Mai 2015


Ich möchte euch ein bisschen daran teilhaben lassen, was wir schon erlebt haben. Das kann natürlich nur ein winzig kleiner Bruchteil von dem sein, was in 7 Jahren passiert ist, was wir gesehen haben und welche Begegnungen uns bereichert haben. 

2008 - Auf dem fränkischen Jakobsweg

Wir machten uns also auf den Weg. Und dieser Weg war Einstieg und Probelauf zugleich. Vierundzwanzig Pilgerinnen und Pilger waren dabei. Wie ist das in einer Gruppe zu laufen? Verstehen wir uns auch über längere Zeit? Möchte ich das, Abstriche und Kompromisse machen? Allen gingen solche Fragen durch den Kopf, bevor es los ging. 



Hier haben wir unseren Weg begonnen, die Jakobskapelle in Lichtenfels. Gut, die Anfahrt war etwas holprig, da ich als Wegplanerin und Bahnplaninformantin und die anderen, die es nicht wussten, mit mir verpasst haben, in Bamberg umzusteigen .....  Diese kleine Episode sorgte für viel Heiterkeit bei uns im Ort und fand sogar Eingang in die Büttenreden beim Weiberfasching 2009. Mich lehrte es, dass ich ganz gut die Gruppe spirituell begleiten kann, aber die Wegplanung und Durchführung überlasse ich lieber denen, die es können und die einen ausgeprägten Orientierungssinn haben, der mir völlig abgeht :) Auch ein Hauptgrund dafür, dass ich dankbar bin, in der Gruppe laufen zu können.

Aber mit einiger Verspätung sind wir doch dann gut in Lichtenfels angekommen und konnten hier mit einem Gebet unseren Weg beginnen. 

Durch traumhafte Wege führte uns der Weg von Lichtenfels nach Bamberg. Erst über Vierzehnheiligen, das uns im Dunst des Morgens schon von weitem grüßte. 





Weiter gings über den Staffelberg und Zapfendorf nach Ebing. Von dort aus sind wir mit dem Zug wieder heimgefahren. Am nächsten Morgen führte uns dann, nachdem wir wieder in Ebing waren, unser Weg durch den wunderschönen Itzgrund nach Baunach, von dort nach Hallstadt und schließlich an unser Ziel, die Jakobskirche oberhalb des Domberges in Bamberg.




alle Bilder: Karin Büttner



Unser Etappenziel: Die Jakobskirche in Bamberg




Was heißt eigentlich Pilgern? Für viele ist sicher der Weg schon das Ziel. Für mich ist unsere jährliche Pilgerreise gewissermaßen eine Zeit in der Zeit. Dankbar nehme ich dieses Geschenk an und freue mich über eine Zeit, in der ich unterwegs sein kann, natürlich Schritt für Schritt in Richtung Santiago und hoffentlich zu mir selbst. Ein Weg quasi nach innen und ich entdecke, was so alles in mir steckt. Ich bin dankbar für ganz wunderbare und tiefgehende Gespräche mit den Menschen in meiner Gruppe. Ich bin dankbar für lange Zeiten, die ich still vor mich hinwandere, wo meine Gedanken ganz weit werden können und ich vieles in meinem bisherigen Leben überdenken kann. Ich bin dankbar für meine Füße, die mich erstaunlicherweise Tag für Tag und Kilometer für Kilometer in Richtung Galizien tragen. Es braucht mittlerweile so ungefähr einen halben Tag und dann bin ich auf dem Pilgerweg ganz in einer eigenen Welt. Das war die ersten Jahre anders, da brauchte ich schon 1 - 2 Tage, um völlig auf dem Weg zu sein. Obwohl ich natürlich vieles mittrage von dem, was mich berührt und was ich zuhause erlebe. 

Und oft ist es einfach nur schön mit den anderen, auf den wunderbaren Wegen mitten durch Deutschland, die Schweiz, Frankreich und nun Spanien zu wandern. Und wenn es regnet, dann ist die Stimmung trotzdem gut, denn mittlerweile haben wir vom Schäfer von Anthony de Melo gelernt:


Ein Wanderer trifft auf einen Schäfer. Er fragt ihn, wie wohl das Wetter in den nächsten Tagen werden würde. Der Schäfer antwortet:
„So, wie ich es gerne habe.“
„Woher wissen Sie, dass das Wetter so werden wird, wie Sie es mögen”, fragt der Wanderer.

„Sehr einfach”, antwortet der Schäfer. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nicht immer das bekomme, was ich möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich mir sicher, dass das Wetter so wird, wie ich es mag.“

Seid behütet
Eure Karin



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