Im Mai 2011 ging es wieder los. Wir fuhren nach Maria Einsiedeln, dem Endpunkt unserer Vorjahrsetappe. Nach einem Gebet vor der Basilika marschieren wir los. Wir folgen dem Flüsschen Au von Einsiedeln und sehen in der Ferne unser Ziel: die Berge Kleiner und Großer Mythen. Steil geht es aufwärts zum Haggeneg auf 1414 m, dem höchsten Pass auf dem Schweizer Jakobsweg.
Nach einer kleinen Stärkung wagen wir uns an den Abstieg. Über 900 Höhenmeter geht es steil bergab. Wir kommen in Schwyz, dem Hauptort des Kantons, in strömenden Regen an und beschließen den Tag in Brunnen am Vierwaldstättersee, wo wir auch übernachten.
Am nächsten geht es nach Flueli-Ranft zum Hl. Klaus. Heute kürzen wir gehörig ab, denn wir nehmen das Schiff, um quer über den See nach Buochs zu fahren. Die Rütliwiese, wichtiger Ort der Eidgenossen, erkennen wir auf der Fahrt über den See. Durch wunderbare Gegenden führt uns unser Weg im Kanton Obwalden durch den Ranft in den Ort von Bruder Klaus. Er gilt als Schweizer Nationalheiliger und wird besonders in seinem Heimatort Flueli Ranft verehrt.
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| Geburtshaus von Bruder Klaus |
Nunmehr im Kanton Bern erreichen wir Brienzwiler, wo wir am Brienzer See Quartier finden. Am anderen Tag führte uns unser Weg nach Interlaken. Wir fuhren mit der Drahtseilbahn auf den Harder Kulm, dem Interlakener Hausberg. Aber leider gab es wegen Nebel und Regen keine Fernsicht, so dass wir die Zeit auf dem Berg im Restaurant verbringen mussten. Ich füge mal ein Bild an, wie es bei Sonnenschein in Interlaken wohl aussieht ....
Den letzten Tag dieser Etappe begannen wir mit einem Ausflug nach Grindelwald, wo wir schon recht bald den Gipfel der Eigernordwand ausmachen konnten. Wieder zurück in Interlaken machten wir uns auf den Weg zu unserem Etappenziel Merligen. Heute begleitet uns strahlender Sonnenschein, den wir gestern auf dem Harder Kulm gut gebrauchen hätten können. Aber wir sind dankbar für jedes Wetter und so genießen wir es heute besonders und beschließen an diesem Tag gut gelaunt unsere Frühjahrsetappe.
Im September waren wir dann noch einmal fünf Tage miteinander auf dem Weg zu unserem Jahresziel Lausanne. Neu ist ab dieser Etappe, dass die Hotelplanung das Bayerische Pilgerbüro übernimmt, da wir mittlerweile in der französisch sprechenden Schweiz angekommen sind, wo die Verhandlungen mit den Hotels sprachbedingt recht schwierig werden.
Von Amsoldigen führt uns der Weg über Uebeschi nach Blumenstein und Wattenwil. Eine traumhafte Landschaft und ebensolches Wetter lassen uns frohgelaunt unseren Weg unter die Füße nehmen. Burgistein begrüßt uns ebenso freundlich wie alle anderen Orte in diesem wunderschönen Schweizer Kanton. Kurz vor Riggisberg erinnert ein Gedenkstein an die Bombardierung des Ortes im Jahr 1943. Wir halten inne und danken Gott für den Frieden, den wir erleben dürfen. Am anderen Tag besuchen wir in Rueggisberg die Klosterruine und starten dann unseren Pilgertag. Wir finden ein Schild, dass die Wegstrecke nach Santiago mit 1700km angibt. Naja, doch ein Stückelchen dahin. In Tafers, wo wir gegen 15.00 h eintreffen, überrascht uns eine festliche Prozession mit prächtig gekleideten Teilnehmern. Wir erfahren, dass dies der Tag der Vereine im Ort ist, die sich in ihren wunderbaren Kostümen und Trachten zeigen. In Tafers steht eine Jakobskapelle aus dem 18 Jh. die der Maler Jakob Stoll bemalt hat. An der Außenfassade ist die Legende vom Hühnerwunder dargestellt.
Dieser ereignisreiche Tag geht in Fribourg, wo wir übernachten, zu Ende. Hauterive, eine Zisterzienserabtei von 1138 ist am nächsten Morgen unsere erste Station. Wir nehmen an einem Gottesdienst mit den Mönchen von Hauterive teil. Die gregorianischen Gesänge sind eindrucksvoll, die Riten trotz der fremden Sprache vertraut. Da ich uns als Gruppe angemeldet habe, werden sogar einige Texte auf deutsch gelesen, das rührt mich sehr an.
Weiter führt uns unser Weg über Posieux, Posat, Autigny nach Romont mit dem 1269 gegründeten Zisterzienserinnenkloster. Wir nehmen an der Vesper teil, die hauptsächlich von den Nonnen gesungen wird. Auch wenn mir diese Form des Gebetes nicht so sehr vertraut ist, so war es doch ein eindrückliches Erlebnis und es kam mir leichter und entrückter vor als der Gesang der Mönche am Vormittag. Wohl auch dadurch, dass die Kirche in Romont mit wunderbaren Glasmalereien an den Fenstern am Nachmittag sonnendurchflutet war.
Am anderen Tag besuchen wir die gotische Stiftskirche Maria Himmelfahrt. Von dort aus starten wir in einen sonnigen Morgen und verlassen den Kanton Fribourg und kommen in den Kanton Waadt/Vaud. Durch Curtilles, Lucens wandern wir durch das Flußtal der Broye nach Moudon, wo wir vespern. Am Nachmittag geht es dann überwiegend auf Feldwegen nach Montpreveyres. An unserem letzten Pilgertag in diesem Jahr machen wir uns in der Früh auf nach Lausanne. Der Weg führt uns über Epalinges und dann erkennen wir schon die Vororte von Lausanne. Da wir Lausanne sozusagen von oben anlaufen, beschert uns ein Aussichtsturm am Lac de Sauvabelin einen wunderbaren Blick über Lausanne und den Genfer See bis zum Mont Blanc. In der Kathedrale von Lausanne singen wir und danken Gott für die Begleitung auf unserem Weg.
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| Unser Jahresziel 2011 Lausanne |
Wünsche für den Weg:
Möge der Weg Dir wenig steinig sein
und alle Berge etwas weniger steil,
möge jede Wolke einen kleinen Umweg machen
und Dir schnell das Blau des Himmels öffnen;
mögen alle Stürme dich nur vom Rücken treffen,
Dir helfen, Dein Ziel leichter zu erreichen!
Mögen alle Quellen dort fließen,
wo es Dich am meisten dürstet,
mögen alle Bäume dort Schatten bringen,
wo Dich eine Rast am besten erfrischt.
Möge immer ein sicheres Dach
oder der Sternenhimmel
Deinen Schlaf behüten,
und Dich morgens ausgeruht und voller Eifer
den neuen Tag beginnen lassen.
Mögen viele nette Menschen Dir begegnen,
die aus Deinem Gesicht Heiterkeit lesen
und auch Dir Freude auf den Weg mitgeben.
Mögest Du viele nette Worte und Gedanken sammeln
und leicht mit Dir tragen: an viele andere übergeben,
helfen sie allen, das Ziel leichter zu erreichen.
Seid behütet
Eure Karin











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