Im April fuhren wir los, um in einem Stück unsere Jahresetappe unter die Füße zu nehmen. In unserem Vorjahresziel Lausanne machen wir uns auf den Weg. Weil wir schon in der Nähe sind, haben wir für den ersten Tag eine Stadtführung in Genf organisiert. Uns ist es schon wichtig, unserem Ziel Santiago zügig näher zu kommen, trotzdem wollen wir doch nicht blind durch die Gegend laufen, sondern ansehenswertes auch ansehen. Und dazu gehört sicherlich auch Genf, das auch viele unserer Pilger noch nicht besucht hatten. Eine einheimische Führerin zeigte uns die schönen Ecken dieser Stadt auf einem gemütlichen Spaziergang. Genf gilt als Hauptstadt der Reformation, was auch das Denkmal im Stadtpark ausdrückt. Für uns Nah-Erlanger war es auch interessant zu erfahren, wie sehr die Hugenotten auch die Verhältnisse in der Schweiz beeinflußt haben.
Natürlich besuchten wir auch die eindrucksvolle Kathedrale St. Pierre aus dem 12. Jahrhundert. Unsere Stadtführerin versorgt uns auf lebendige Art mit allerlei Wissenswerten über Geschichte und Gegenwart. Zum Abschluß halten wir in der Chapelle de St. Leger aus dem 14. Jahrhundert, welche durch die schwedische Gemeinde vor Ort aufwendig saniert wurde, unseren Anfangsimpuls.
So geht es wieder auf den Weg über Neydens, wo wir wenig gastfreundlich, also eigentlich gar nicht, empfangen werden. Dies ist jedoch nicht die Regel, im Normalfall finden wir überall offene Türen vor. In Richtung Col du Mont Sion geht es weiter, wo wir diesen Tag beschließen.
Am anderen Tag ist die Wegstrecke, die wir zu bewältigen haben, nur 20,5 km lang. Aber es regnet und das Wetter zeigt uns seine unangenehmste Seite. Trotzdem geht es in guter Stimmung unter uns weiter nach Le Motte und Le Malpas. Unser Tagesziel Frangy ist bald erreicht, wo wir gemeinsam Gottesdienst halten.
Gott sei Dank hat es am nächsten Morgen aufgeklart, so dass die Regenbekleidung zuerst einmal im Rucksack bleiben darf. Wir überqueren eine steinerne Brücke und wandern weiter in Richtung Designy, es klart weiter auf und wir können nun die Landschaft betrachten, durch die wir wandern. Hindernisse, wie ein überfluteter Bergbach oder Bäume, die im Weg liegen, überwinden wir gemeinsam und unter viel Gelächter.
An diesem Tag wandern wir auf meist flachen Wegen am Ufer der Rhone. Unser Tagesziel ist Serrieres-en-Chatagne, was wir im Zeitplan erreichen. Dies ist heute wichtig, denn wir haben noch einen Besichtigungspunkt, die Abtei von Hautecombe, auf unserem Tagesplan. Mit dem Bus erreichen wir die Abtei und genießen dabei die schöne Landschaft, die so angenehm an uns vorbeifliegt. Die Abtei wurde 1125 gegründet und hat eine wechselvolle Geschichte. Per Audiogide können wir die Kathedrale besichtigen, ein deutscher Führer steht leider nicht zur Verfügung. Hunderte Statuen und über 40 Grabmale drängen sich in der Kathedrale, die mir sehr überladen erscheint. Beeindruckend ist sie dennoch und ich höre interessiert den Ausführungen zu.
Am nächsten Morgen geht es weiter entlang der Rhone und zum ersten Mal treffen wir einen anderen Pilger, Moritz aus Tübingen. Wir tauschen uns aus, denn er erlebt den Weg natürlich ganz anders als ich, auf sich gestellt und nicht wie wir alle in einer Gruppe. Über Chanaz, wo wir über eine ziemlich hohe, bogenförmige Brücke den Kanal überqueren wandern wir nach Montagnin. Durch das Rhonetal hindurch gelangen wir nach Yenne, wo wir unseren Abendimpuls in einer schönen Kirche aus dem 12. Jahrhundert halten.
Der nächste Tag hält mit 24,5 km zwar nicht sehr viel Weg für uns bereit, jedoch haben es diese Kilometer in sich. Von Yenne aus geht es über einen anstrengenden Aufstieg über die Berge nach St. Maurice-de-Rotherens. Belohnt werden wir auf dem Gipfel des Col du Mont Tournier mit einem wunderbaren Blick über den Ort und das Rhonetal. Wo es auf der einen Seite hinaufgeht, muss man auf der anderen wieder hinunter und dieser Abstieg hat es echt in sich und wir sind froh, als wir in dem kleinen Örtchen ankommen.
Eine Möglichkeit, warum der Weg Sternenweg heißt :) Dieser Wegweiser direkt vor dem gerade überquerten Berg zeigt gen Santiago und gen Himmel.
Weiter geht es nach einer Pause über Malbuisson nach Gresin und St. Genix-sur-Guiers. Hier finden wir eine Patisserie mit rosafarbenen Gebäck, das so surreal aussieht, dass wir gleich eines kaufen, um es am Abend gemeinsam zu probieren. Gleich vorweg, es sah weit besser aus als es schmeckte.
Ein grauer Morgen empfängt uns, aber der befürchtete Regen bleibt Gott sei dank aus. Wir wandern am Fluß Guier entlang bis Les Abrets und weiter nach Valencogne, wo an diesem Tag nach 22km unsere Tagespensum endet.
Unseren letzter Pilgertag für dieses Jahr beginnen wir bei strahlendem Sonnenschein und einem Geburtstagskind in der Gruppe, welches wir beim Frühstück gebührend hochleben lassen. Ich mag die Menschen alle miteinander und freue mich auf jede Begegnung. Los gehts auf dem Weg, wo wir mit einigen wilden Hunden zusammentreffen, die jedoch dann vor 50 Wanderstöcken, die auf sie zustöckeln, Respekt bekommen. Gut, dass die nicht gemerkt haben, wieviel Respekt wir vor ihnen hatten. So waren wir froh, dass es so gelaufen ist. Wir bewegen uns durch eine landwirtschaftlich geprägte Landschaft, die mir richtig gut gefällt. In der Ferne sehen wir den Lac de Paladru und bald schon erreichen wir Le Grand-Lemps. In Bevenais machen wir zum letzten Mal in diesem Jahr Brotzeit und wir genießen die Aussicht auf die Berge und die gute Vesper.
Wie gut ein alkoholfreies Weizen und ein Stück Brot mit einem Stück Hartwurst schmecken kann, unglaublich.
Weiter gehts frohgelaunt nach Le Frette und St. Hilaire und dann stehen wir vor La Cote St-Andre, unserem Jahresziel. Wir laufen durch alte Markthallen zur Kirche mit dem gallischen Hahn davor, wo wir unsere Abschlußandacht halten. In diese Kirche fällt nur spärlich Licht ein, was ihr einen fast mystischen Charakter verleiht.
Mittlerweile sind wir schon so weit gelaufen, dass wir einen ganzen Tag mit unserem Bus brauchen, um wieder nach Hause zu kommen. Dankbar kommen wir daheim am Abend des nächsten Tages an, glücklich, alle gesund zu sein und fast ein bisschen traurig, dass es schon wieder vorbei ist.
Gemeinsam singen wir "unser" Abendlied, welches uns nicht nur auf dem Pilgerweg, sondern auch auf der jährlichen Wallfahrt nach Gößweinstein begleitet:
Leise sinkt der Abend nieder und das Tagwerk ist vollbracht,Seid behütet
:will Dich, Jesus, nochmals grüßen und Dir sagen gute Nacht.:
Traulich still vorm Tabernakel hält die ew'ge Lampe Wacht
:und die Englein singen leise: Lieber Heiland, gute Nacht.:
Heiland, gib uns Deinen Segen, schirm mit Deiner Gottesmacht
:mich und alle meine Lieben, schenk uns eine gute Nacht.:
Heiland, darf nicht länger weilen, hielt so gern noch bei Dir Wacht,
:doch ich grüße Dich von Herzen, lieber Heiland, gute Nacht.:
Eure Karin


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