Montag, 25. Mai 2015

2009 - auf dem großen Weg

Am 14. März 2009 war es nun also soweit. Wir machten uns von unserem kleinen Ort Langensendelbach im schönen Oberfranken aus auf den Weg nach Santiago de Compostela. Rund 2800 km trennen uns von unserem Ziel. Aber auch die längste Reise beginnt ja bekanntlich mit dem ersten Schritt. 

Vor unserer Pfarrkirche St. Peter und Paul versammelten wir uns also, baten Gott um seinen Segen und marschierten los. 


Unsere Heimatkirche
In diesem ersten Jahr haben wir unsere Etappe auf vier Termine  aufgeteilt. Erst mal langsam anfangen, das war unsere Devise. Im März einen Tag, im Juni zwei Tage, im September drei und im Oktober wieder zwei Tage. Immer zu einem Ort hinlaufen, von dort aus heimfahren mit Bus oder Bahn und dann beim nächsten Mal wieder von dem Ort aus, wo wir aufgehört hatten, weiterzugehen. So handhaben wir das im Großen und Ganzen bis heute. 

Im Jahr 2009 führte uns also der Weg im März über Dormitz über die Kreuzweiher nach Kalchreuth und von dort aus zur Jakobskirche nach Nürnberg. Im Juni starteten wir dann in Richtung Abenberg, von dort aus nach Dürrenmungenau bis Spalt. Am nächsten Morgen ging es weiter nach Kalbensteinberg, Igelsbach zu unserem Ziel Gunzenhausen. Giengen an der Brenz erreichten wir dann im September nach einem großartigen Weg über Edersfeld, Heidenheim, Gnotzheim, Hohentrüdigen, Öttingen, Maihingen, Nördlingen, Christgarten, Ohmenheim, Neresheim und Staufen. 

Mittlerweile sind wir schon richtig gut zusammengewachsen, so dass wir uns auf dieser Etappe sogar einmal an eine Wegstrecke von 44 km am Tag wagten. Sonst sind es immer so 25-30 km, die wir wirklich sehr gut bewältigen. Ein Impuls am Morgen, Gedanken auf dem Weg, hier und da ein Lied oder ein Ave Maria an einem Bildstock und ein Abendgebet umrahmen unseren Pilgertag und schaffen besondere Zeiten zum Innehalten. 

Kirchen auf dem Weg besuchen wir gerne, singen unser "Dona nobis pacem" im Kanon, welches mittlerweile "unser" Lied geworden ist und verweilen ein bisschen. Es geht uns nicht nur darum, Kilometer zu machen, sondern auch den Weg zu erleben, mit Menschen auf dem Weg in Kontakt zu kommen und  die großartigen Landschaften mit allen Sinnen zu genießen. 

Im Oktober waren wir dann noch einmal zwei Tage von Giengen an der Brenz zu unserem Jahresziel Ulm unterwegs. Stetten ob Lontal, Lindenau, Nerenstetten und Obereichingen lagen wie Perlen auf unserem Weg. Gastfreundlich wurden wir in vielen Orten empfangen, Pfarrhäuser und Pfarrheim wurden uns zur Brotzeit und als Dach über dem Kopf zur Verfügung gestellt. Ortskundige Menschen zeigten uns in kleinen Führungen die Kostbarkeiten vor Ort und schenkten uns so großartige Erlebnisse. 

So haben in diesem Jahr miteinander 222 km zurückgelegt. Gut, es lag noch eine große Wegstrecke vor uns, aber der Anfang war gemacht und wir waren erfreut und erstaunt darüber, wie gut  es vor allem auch miteinander geklappt hat. 

Eine Geschichte aus Afrika  möchte ich mit euch teilen und ich hoffe, dass auch wir den Menschen, denen wir begegnen, in guter Erinnerung bleiben.
Zeichen auf dem Weg
Ein Mann schickte seine beiden Söhne Tambu und Rafiki hinaus, um sich in den Dörfern umzusehen. Sein Auftrag: "Hinterlasst Zeichen auf euerem Weg!" Die beiden Söhne machten sich auf den Weg.
Nach wenigen Schritten schon begann Tambu Zeichen zu machen. Er knüpfte einen Knoten in ein hohes Grasbüschel, dann ging er ein Stück weiter und knickte einen Zweig an einem Busch. Dann knüpfte er wieder einen Knoten ins Grasbüschel. So war der ganze Weg, den er ging, voll Zeichen. Aber er zog sich von allen Menschen zurück und sprach mit niemandem.
Ganz anders verhielt sich sein Bruder Rafiki. Er machte keine Zeichen am Weg.  Aber im ersten Dorf setzte er sich zu den Männern im großen Palaverhaus, hörte zu, aß und trank mit ihnen und erzählte aus seinem Leben
Im nächsten Dorf schloss Rafiki Kontakt mit einem Jungen, der ihn in seine Familie mitnahm und in die Dorfgemeinschaft einführte.
Im dritten Dorf bekam Rafiki von einem Mädchen bei sengender Hitze einen kühlen Trunk angeboten und durfte das Dorffest mitfeiern.
Tambu bekam von alledem nichts mit; er hatte Arbeit mit seinen Grasbüscheln und geknickten Zweigen.
Als die beiden Brüder nach ihrer Heimkehr dem Vater von ihren Erlebnissen erzählten, machte er sich mit ihnen auf den Weg.
Überall wurde Rafiki mit seinem Vater herzlich aufgenommen, Tambu aber kannte kein Mensch.
"Ich verstehe nicht, warum mich keiner kennt", sagte Tambu  "alle sind zu Rafiki freundlich, der nichts anderes als geschaut und unnützes Zeug gesprochen und so die Zeit vertan hat. Kein einziges Grasbüschel hat er geknüpft und wird von allen gekannt und geehrt.
Da sagte sein Vater: "Es gibt noch andere Zeichen als Grasbüschel, mein Kind: Das sind Zeichen, die ein Mensch in den Herzen anderer Menschen hinterlässt, wenn er zu ihnen geht, mit ihnen spricht und ihnen seine Freundschaft zeigt. Solche Zeichen in den Herzen der Menschen bleiben, wenn die Grasbüschel längst von Tieren gefressen oder vom Wind weggetragen sind."Da sagte Tambu: "Ich will auch lernen, solche Zeichen auf meinem Weg zu hinterlassen, wie Rafiki."       
Seid behütet
Eure Karin

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