Dienstag, 9. Mai 2017

06.05.2017


Heute ist es soweit, heute kommen wir an. Der erste Gedanke, der mir in den Kopf kommt, als ich heute aufwache. Gestern abend haben wir in der Pilgerrunde schon ein kleines bisschen gefeiert. Heute wird die Pfarrfahrergruppe zu uns stoßen. Wir haben schon gehört, dass allesamt gut in Santiago angekommen sind. 

Noch 10 km trennen uns von der Kathedrale von Santiago de Compostela. Wir verlassen Lavacolla und steigen bergauf, bis wir an den "Berg der Freude", den Monte de Gozo kommen. Denn von hier aus kann man zum ersten Mal die Spitzen der Türme der Kathedrale sehen, wenn das Wetter passt. Deshalb auch "Berg der Freude", da nun klar ist, dass der Weg bald geschafft ist. 

Das Denkmal erinnert an Papst Johannes Paul II, der als erster Papst Santiago besucht hat, das erste Mal 1982 und das zweite Mal 1989 zum Weltjugendtag. Damals hat er hier mit den Jugendlichen eine Messe gefeiert und daran erinnert dieses Monument. 





Auch zwei Pilger aus Metall erwarten uns und weisen uns den richtigen Weg.





Dann steigen wir nach Santiago ab und betreten die Stadt. Wir erreichen die Plaza de Cervantes, wo wir uns sammeln wollten. Als alle da sind, gehen wir gemeinsam schon an der Kathedrale vorbei und erreichen die Plaza de la Immaculada am Nordportal der Kathedrale. Dort gibt es eine Treppe, die überdacht ist, ähnlich wie ein Tunnel. Dort überlegen wir uns, dass wir mit einem Lied auf dem Plaza del Obradoiro, also dem großen Platz vor der Kathedrale einziehen wollen. Wir einigen uns auf "Ein Haus voll Glorie schauet", weil das viele auch auswendig können. 








Hier rechts auf dem Bild der weiße Durchgang, das ist der "Eingang" zum Hauptplatz der Kathedrale. Darüber die Seitenansicht der Kathedrale und gegenüber liegt das Monasterio San Martin Pinario (oberstes Bild). Später werden wir feststellen, dass dies unser Quartier für die nächsten zwei Tage ist.


Plötzlich sehen wir unten am Treppenende schon meinen Papa und mehrere Mitglieder der Pfarrfahrtgruppe. Ein großes Winken und Strahlen beginnt. Wir wollen grade losgehen und lossingen, da spielt ein Dudelsackspieler, der im Treppenaufgang steht, in einer ohrenbetäubenden Lautstärke los. Er hat uns wohl gesehen und wittert ein gutes Geschäft. Wir haben ihn gebeten, uns kurz vorbei ziehen zu lassen und dann kann er wieder weiterdudeln. Er war nicht begeistert, hat uns aber den Gefallen getan. 
Dann endlich können wir alle zusammen nach unten singend auf den Platz einziehen. 


Mit großem Hallo werden wir von der Pfarrfahrtgruppe begrüßt. Was für ein Moment. Vielen, wenn nicht allen, laufen die Tränen über das Gesicht und wir umarmen uns und beglückwünschen uns gegenseitig zum geschafften Weg. Dann kommen die Pfarrfahrer dran, auch sie werden umarmt und herzlich von uns begrüßt und wir von ihnen.


Eigentlich wollen wir ja zusammen mit den Pfarrfahrern mit einem "Großer Gott, wir loben dich" in die Kathedrale einziehen. Das geht leider aber nicht. Erstens wird die Fassade gerade renoviert und der Haupteingang ist geschlossen und zweitens wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Wir dürfen mit den Rucksäcken nicht hinein und müssen sie erst ins Hotel bringen. 


Also versammeln wir uns vor der Kathedrale und halten dort unseren Abschlußimpuls. Wir beten und singen und danken Gott für seine Begleitung auf unserem Weg. 


Dann bringen wir die Rucksäcke ins Hotel, wir freuen uns, dass wir in diesem alten Kloster untergebracht sind. Dadurch sind die Wege so kurz, das ist einfach großartig. 

Alle zusammen gehen dann in die Kathedrale, die schon sehr gut gefüllt ist, zur Pilgermesse um 12.00 Uhr. Leider bekommen wir dadurch keinen Platz alle zusammen, so dass wir uns ziemlich verteilen müssen. Die Messe beginnt und unser Pfr. Roy darf auch mitzelebrieren. Eine Nonne hat die Fäden in der Hand, sie übt mit den Gläubigen die Kehrverse ein, sie dirigiert, ob wir sitzen oder stehen sollen und singt ganz wunderschön. Wir sind alle sehr ergriffen, jetzt tatsächlich in dieser Kirche zu sitzen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Am Ende des Gottesdienstes wird der Botafumeiro geschwenkt. Darauf haben sich viele von uns besonders gefreut. Da immer jemand diese Aktion bezahlen muss, haben wir uns entschlossen, dies für diesen Gottesdienst zu tun. Es kostet 450,--, aber wir haben es nicht bereut, es war einfach ergreifend. 







Nach der Messe stellen wir uns geduldig in der Schlange an, um so wie alle anderen Pilger auch, hinter die Figur des hl. Jakobs im Hochaltar der Kathedrale zu treten und ihn zu umarmen. Danach geht man - oder wird in der Menge gegangen - unter den Altar, um dort den Sarkophag mit den sterblichen Überresten des hl. Jakobus zu sehen. 




Nachdem wir alle Pilgerrituale geduldig absolviert hatten, gehen wir aus der Kathedrale hinaus und stehen sofort vor unserem Quartier. Das hat ja wirklich was. Wir nehmen uns kurz die Zeit, beziehen unsere Zimmer und ziehen uns um. 





Danach mache ich mich mit den anderen aus der Gruppe und mit meinen Eltern auf, um Santiago zumindest im Ansatz kennenzulernen. Um halb drei haben wir eine Führung durch die Kathedrale und die Altstadt gebucht, für mich immer die beste Möglichkeiten, einen guten Einblick in die Geschichte einer Stadt zu bekommen. 

Manolo, unser Guide, erwartet uns um halb drei vor dem Monasterio und zuerst gehen wir in die imposante Kathedrale. Er weiß sehr viel von seiner Heimatstadt und versteht es, diese vielen Infos lebendig wiederzugeben. 











Er erklärt uns die vielen Seitenaltäre rund um den Hauptaltar, wir besuchen noch einmal die Statue des hl. Jakobus und umarmen ihn, gehen nochmal hinunter in die Gruft zum Sarkophag. Er zeigt uns die heilige Pforte, die immer in den Jahren, in denen der 25. Juli, der Gedenktag des hl. Jakobus auf einen Sonntag fällt, geöffnet wird. Diese Jahre sind heilige Jahre in Santiago. Auch zum außerordentlichen heiligen Jahr der Barmherzigkeit im letzten Jahr wurde die Pforte geöffnet. 

Besonderes Augenmerk legt er auf den großen Botafumeiro, den wir im Gottesdienst schon in Aktion erlebt haben. Wenn er da so hängt, sieht er ziemlich klein aus, doch er ist 1,50m hoch und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 70 kmH, wenn er da so durch das Querschiff über eine Länge von 67m saust. Früher konnten die Pilger in der Kathedrale übernachten, in den 4,5m breiten umlaufenden oberen Stockwerken. Da diese nicht allzugut gerochen haben, wurde der Weihrauch zur Säuberung der Luft eingesetzt. Ob es wohl was genutzt hat? 

Die Kathedrale fasst 4000 Menschen, Manolo erzählt, dass letzte Woche am Samstag fast 1000 Pilger draußen bleiben mussten, weil der Gottesdienst so überfüllt war. Wir sind froh, dass wir heute mitfeiern konnten. 

Nach der wirklich sehr interessanten Führung in der Kirche zeigt uns Manolo noch die Schatzkammern und das Museum. 





 

Die Kathedrale ist leider eingerüstet, dass hatte uns ja schon unseren Einzug vermasselt. Aber da die Fassade ganz schwarz war, ist diese Renovierung wohl dringend nötig.  Zwei Stunden dauert die Führung und die Zeit vergeht wie im Fluge. Danach ist aber mal dringend Entspannung angesagt und es ist prima, dass der Reiseleiter der Pfarrfahrtgruppe uns einen tollen Tipp für ein Cafe gibt. Dort sitzt man einfach wunderschön im Garten unter einer Pergola, große Blumenkübel, Palmen und ein Springbrunnen in der Mitte machen die Idylle perfekt. Dazu noch ein Cafe con Letche, eine Tarte Santiago und wunderbare Menschen, die das mit dir teilen, was will das Herz mehr. 






Kurz vor dem Abendessen versammeln sich beide Gruppen im Garten des Klosters und wir halten Abendimpuls. Danach genießen wir das Abendessen, lassen unser Geburtstagskind Reinhard, der an diesem Tag seinen 65. Geburtstag feiert, mit einem Lied hochleben und - ganz wichtig - verteilen an die Pilger die Compostela. Der Reiseleiter der Pfarrfahrer hat sich liebenswerter weise darum gekümmert und uns zwei Stunden Anstehen im Büro der Tourismusbehörde erspart.

Ich bin ja etwas enttäuscht darüber, denn mein Name ist in Latein so wie die ganze Urkunde, aber ziemlich lieblos hineingekritzelt. Gut, bei so vielen Pilgern kann man nicht aus jedem Namen ein kalligraphisches Meisterwerk machen, aber so ist es einfach nicht angemessen, so empfinde ich das zumindest. 




Aber davon will ich mir an diesem so besonderen Tag nichts verderben lassen, an den ich sicher mein Leben lang zurückdenken werde.  




Gott segne deinen Weg
Gott segne deinen Weg
die sicheren und die tastenden Schritte
die einsamen und die begleiteten
die großen und die kleinen

Gott segne dich auf deinem Weg
mit Atem über die nächste Biegung hinaus
mit unermüdlicher Hoffnung
die vom Ziel singt, das sie nicht sieht
mit dem Mut, stehenzubleiben
und der Kraft, weiterzugehen

Gottes Segen umhülle dich auf deinem Weg
wie ein bergendes Zelt
Gottes Segen nähre dich auf deinem Weg
wie das Brot und der Wein
Gottes Sehen leuchte dir auf deinem Weg
wie das Feuer in der Nacht

Geh im Segen
und gesegnet bist du Segen
wirst du Segen
bist ein Segen
wohin dich der Weg auch führt.


Katja Süß

Seid behütet
Eure Karin 

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