Dienstag, 2. Mai 2017

02.05.2017


Unser vierter Lauftag beginnt bei frischen Temperaturen, aber bei Sonnenschein. Wir laufen durch das geschichtsträchtige Sarria, wo es einiges zu sehen gibt. Vor allem fällt auf, dass die ganze Stadt im Zeichen des Camino steht.  Unser Hotel liegt direkt am Rio Sarria, den wir auf einer Holzbrücke überqueren. 







Im Schatten der Kirche San Salvador, die 1094 schon erwähnt wird und im 14. Jh  umgebaut wurde, halten wir unserem Morgenimpuls. Weiter geht es am Turm und den Resten einer Treppe der 1467 geschleiften Festung der Herren von Sarria und den alten Marktständen, wo an drei Tagen im Monat vor allem Pulpo angeboten wird, vorbei.  Auch am Magdalenenkloster kommen wir vorbei. Dann verlassen wir Sarria über eine der hier typischen Steinbrücken und diese hat sogar einen Namen, sie heisst "Aspera" und führt uns über den Rio Celeiro. 

Solche charakteristischen Brücken sehen wir heute noch öfter, sie bestehen aus ganz speziell geformten Stellplätzen und heissen "corredoiras". 





Die Kirche von Barbadelo wird besonders zum Besuch empfohlen. An der Stelle, wo heute die Kirche steht, stand im Jahr 847 schon ein Kloster. Heute steht nur noch die Kirche und ist bekannt für ihre illustrierten Kapitelle am Nord- und Westportal. Dort sind in einem "Bestarium" Tier- und Fabelwesen dargestellt. Ein alter Mann, wohl der Pfarrer des Ortes, sitzt in der Kirche und stempelt unsere Pilgerpässe.  Wir nutzen die Gelegenheit und halten eine Maiandacht. Als wir fertig sind, spendet er uns zu unserer Freude den Pilgersegen. 







Heute sehen wie viele der gestern beschriebenen Horreos, es hat fast jedes Haus hier seinen eigenen.  






Wir durchqueren dichte Wälder, steigen in Hohlfuhren auf und wieder ab und lernen Galizien von seiner sehr ländlichen Seite kennen. Auch heute gehen wir über 12 km ohne Rast, dann aber kommt in Morgade eine Bar vorbei und wir kehren gerne ein. Immer wieder treffen wir andere Pilger und kommen ins Gespräch. Eine Amerikanerin, die uns schon seit Villafranca immer wieder begegnet, ist gestern gestürzt und hat sich den Arm gebrochen. Nun sitzt sie in der Bar und wir begrüssen sie herzlich. Auch vier Pilgern aus der Dominikanischen Republik laufen wir immer wieder über den Weg und singen mit ihnen deutsche und karibische Volkslieder. Der Weg ist anstrengend, es geht immer wieder rauf und dann wieder steil bergab.

Nach Morgade und Ferreiros kommen wir an den Kilometerstein 100, nun sind es also noch genau 100 km bis Santiago.  Das ist ein beliebter Fotostop und wir reihen uns in die Schlange der Wartenden ein. 








Weiter geht's, mit noch einer Pause in einen schön gelegenen Biergarten, in Richtung Portomarin, welches wir schliesslich auch erreichen. 

Portomarin wurde versetzt und an anderer Stelle wieder aufgebaut und zwar erst im Jahr 1962. Damals wurde ein Stausee am Fluss Mino gebaut und Portomarin wäre darin versunken.  Deshalb hat man viele Gebäude ab- und wieder an anderer Stelle aufgebaut.  Die Fassaden tragen die Patina der alten Zeiten und die Kirche San Juan stammt auch tatsächlich aus dem 13. Jh, nur dass sie seit den 60er Jahren halt an anderer Stelle steht. 








Wir überqueren den Rio Mino und steigen über eine uralte Treppe in die Stadt hinauf. Wir besuchen die Kirche San Juan, die heute dem hl. Nicolas geweiht ist und halten in ihr unseren Abendimpuls. Dann suchen wir unser Hotel, sehen auf dem Weg die Kirche San Pedro von 1182, die ebenfalls ab- und wieder aufgebaut wurde und beschliessen den Tag. 









Nach dem Abendbrot probieren wir eine galizische Spezialität, eine Quemada. Es ist ein grosser Spektakel, Grappa wird mit Kaffeebohnen, Zitronen- und Orangenschalen und viel Zucker in einer grossen Schüssel vermischt und dann angezündet. Es macht auch den Angestellten sichtlich Spass, uns diesen Brauch näherzubringen. Es werden dabei schaurige Geschichten erzählt, die uns unsere Elisabeth wunderbar übersetzt. Irgendwann hat es dann lange genug gebrannt und die Quemada wird in kleinen Tontassen verteilt. Dann bin ich reif fürs Bett.









Segen

Die Kraft Gottes aus den Tiefen der Erde
durchströme euch,
wie der Saft im Frühjahr
die Blumen blühen lässt.
Die Kraft Gottes aus den Höhen des Himmels
senke sich auf euch,
wie der Tau in der Nacht,
der die Erde feuchtet.
Die Kraft Gottes aus der Mitte
schütze euch,
erfülle euch,
öffne euch.

Seid behütet
Eure Karin 

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