Als ich heute morgen aufwache, wundere ich mich, dass meine Zimmernachbarn so ausgiebig duschen. Das Rauschen des Wassers dauert ewig lang an. Erst als ein ordentlicher Rums zu hören ist, realisiere ich, dass es draussen in Strömen regnet und ein heftiges Gewitter niedergeht.
Das lichtet sich dann, bis wir gefrühstückt haben und fertig zum Losgehen sind. Es schüttet aber immer noch wie aus Eimern. Heute führt uns unser Weg schon hinein in das Stadtgebiet von Santiago. Und heute machen sich 26 Pfarrfahrer von daheim aus ebenso auf nach Santiago. Ich hoffe, alle kommen gut an.
Was diesen Weg so sehr besonders macht, sind vor allem die Begegnungen mit anderen Pilgern. Heute treffen wir z.B. einen Deutschen, der mit seinem Hund in 52 Tagen von Montpellier in Frankreich bis nach Santiago gelaufen ist. Nun laufen die zwei wieder heim nach Montpellier. Er kann nicht fliegen oder mit der Bahn oder Bus fahren, weil er das Geld nicht hat, für sich und den Hund Karten zu kaufen. Also läuft und trampt er. Er ist so freundlich und bietet uns sogar von seinem Frühstück etwas an. Sein Rucksack ist riesig und er verabschiedet sich herzlich von uns, als wir weiterziehen.
Der Weg führt uns von Arzua aus querfeldein. Wir passieren mehrere kleine Weiler und Bäche. Mittlerweile sind wir es schon gewohnt, dass es ständig rauf und runter geht. Eichen und Eukalyptusbäume säumen den Weg und wir laufen heute viel durch den Wald. Da es immer mal wieder regnet, lasse ich mein Regencape gleich den ganzen Tag an.
Wir durchqueren Rua und gönnen uns dort einen Cafe von Letche. Weiter geht's durch O Burgo. Immer wieder führt der Weg an die N 547. Hier überqueren wir sie und gehen wieder durch Eukalyptuswälder weiter. Wir fragen uns, warum sich die Bäume so sehr schälen, das muss ich daheim mal googeln. Es ist manchmal fast märchenhaft in diesem Wäldern.
In Arca-Pedrouzo hätten wir eigentlich auf einer Mauer eines Fabrikgeländes das berühmte Pilgergedicht finden sollen. Aber wir haben's nicht gefunden und deshalb gibt es auch hier kein Bild davon. Wieder geht es in den Eukalyptuswald hinein und plötzlich hören wir Düsengeheul. Der Flughafen von Santiago kann also nicht mehr weit sein.
Vorher berührt unser Weg wieder die N 547, langsam hat uns die Zivilisation wieder. Der grosse Kreisverkehr mit seinem Schilderwald bringt uns aus den Märchenwäldern wieder zurück. Direkt daran steht auch der erste Strassenstein von Santiago. In allen Kilometersteinen, die wir heut gesehen haben, fehlen die km-Schildchen, die da eingeklebt sind. Das sind wohl sehr willkommene Souvenirs für manche Pilger.
Ein schöner Weg führt uns dann nach Sompayo, auch San Paio, genannt. Die kleine Kirche des gepflegten Örtchens ist leider wieder einmal verschlossen. Die Strasse steigt sehr steil an, ist aber recht bald bewältigt. Ich mobilisiert meine Kräfte und so geht das gut. Ich bin aber froh, als wir die ersten Häuser von Lavacolla erreichen. Früher unterzogen sich hier die Pilger einer grossen - und sicher auch bitter nötigen - Reinigung im gleichnamigen Fluss. Der Name des Ortes zeigt es deutlich: lavacolla bedeutet "den Hintern waschen". Die heutigen Pilger tun dies natürlich nicht mehr im Fluss, sondern ganz einfach während einer schönen heissen Dusche, die jetzt nach diesem langen Tag ganz besonders gut tut.
Wir bitten dich, Herr, um deinen Segen:
Schenke uns:
die Behutsamkeit seiner Hände, die vor Ecken und Kanten nicht zurückschrecken,
die Güte seiner Augen, die Fehler und Kanten der anderen zu verzeihen
das Lächeln seines Mundes, über die Stacheln der anderen zu schmunzeln
die Treue seiner Schritte
den Frieden seiner Worte
die Wärme seines Herzens
das Feuer seines Geistes
die Hoffnung in seiner Auferstehung
das Geheimnis seiner Gegenwart
Amen
Seid behütet
Eure Karin





















Ich hab irgendwie Gänsehaut..... jetzt kommt ihr tatsächlich nach so vielen Jahren der Etappenwanderung an. Ich bewundere Euch alle, die ihr Euch Jahr für Jahr diese Zeit reserviert habt. Alle Achtung. Was für eine aktive Gemeinde..... immerhin reisen dann heute noch 26 Pfarr"flieger" nach. Wünsche Euch ein gesegnetes Ankommen und eine tiefe Freude.
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