Mittwoch, 3. Mai 2017

03.05.2017

Nebel erwartet uns, als wir heute morgen das Haus verlassen. Er ist sehr feucht, so kenne ich das von daheim nicht. An der Kirche San Pedro beginnen wir mit einem Impuls unseren Pilgertag. Das Bild ist von gestern, wo strahlender Sonnenschein herrschte. Es ist kaum zu glauben, dass wir vor drei Tagen noch mit Schnee und Eis zu kämpfen hatten.




Der Weg führt aus Portomarin hinaus, nochmal erhaschen wir einen Blick auf den grossen Stausee. Über ansteigende Wege geht es kilometerlang ins galizische Land hinein. 

Zur Mittagszeit erreichen wir Ventas de Naron, wo in der kleinen Kapelle ein blinder Mann den Pilgerstempel ausgibt. Er bittet jeden Pilger, ihm die Hand zu führen, wohin er stempeln soll. Er drückt dann den Stempel ins Heft und diktiert anschliessend sehr gewissenhaft das einzutragende Datum.







Nach unserer Rast geht es weiter. Beim Steinkreuz vor dem kleinen Örtchen Ligonde halten wir und halten eine kleine Andacht. Wir singen "Hl. Kreuz, sei hoch verehret" und betrachten in einem Text das Kreuz. 








Eine gute Freundin hat mir ein Herz mitgegeben mit der Bitte, es an einem geeigneten Ort auf dem Weg abzulegen. Hier, zu Füssen dieses uralten Kreuzes erscheint es mir passend und ich lege es dort ab. 

Dann machen wir uns auf und betreten das über 1000jährige Ligonde. Im Jahr 856 wurde es bereits erwähnt und Kaiser Karl V übernachtete am 24. März 1520 hier und verlieh in diesem Zusammenhang dem Ort das Asylrecht. Auch spätere Kaiser wählten den kleinen Ort als Übernachtungsmöglichkeit.

Der restliche Weg heute führt wieder durch Hohlfuhren und ländliches Gebiet. Eine kurze Pause legen wir noch ein, bevor wir unser Tagesziel Palas de Rei erreichen. Da unsere Herberge am Ortseingang liegt, werden wir erst morgen durch die kleine Stadt laufen. 

Palas de Rei bedeutet Königspalast und tatsächlich war wohl dieser kleine Ort von 701 bis 709  Sitz von Witzia, einem der letzten Könige der Westgoten. 





GOTT gebe dir

für jeden Sturm einen Regenbogen,

für jede Träne ein Lachen,

für jede Sorge eine Aussicht

und eine Hilfe für jede Schwierigkeit.

Für jedes Problem, das das Leben schickt,

einen Freund/eine Freundin, es zu teilen,

für jeden Seufzer ein schönes Lied

und eine Antwort auf jedes Gebet.

Seid behütet
Eure Karin 

Dienstag, 2. Mai 2017

02.05.2017


Unser vierter Lauftag beginnt bei frischen Temperaturen, aber bei Sonnenschein. Wir laufen durch das geschichtsträchtige Sarria, wo es einiges zu sehen gibt. Vor allem fällt auf, dass die ganze Stadt im Zeichen des Camino steht.  Unser Hotel liegt direkt am Rio Sarria, den wir auf einer Holzbrücke überqueren. 







Im Schatten der Kirche San Salvador, die 1094 schon erwähnt wird und im 14. Jh  umgebaut wurde, halten wir unserem Morgenimpuls. Weiter geht es am Turm und den Resten einer Treppe der 1467 geschleiften Festung der Herren von Sarria und den alten Marktständen, wo an drei Tagen im Monat vor allem Pulpo angeboten wird, vorbei.  Auch am Magdalenenkloster kommen wir vorbei. Dann verlassen wir Sarria über eine der hier typischen Steinbrücken und diese hat sogar einen Namen, sie heisst "Aspera" und führt uns über den Rio Celeiro. 

Solche charakteristischen Brücken sehen wir heute noch öfter, sie bestehen aus ganz speziell geformten Stellplätzen und heissen "corredoiras". 





Die Kirche von Barbadelo wird besonders zum Besuch empfohlen. An der Stelle, wo heute die Kirche steht, stand im Jahr 847 schon ein Kloster. Heute steht nur noch die Kirche und ist bekannt für ihre illustrierten Kapitelle am Nord- und Westportal. Dort sind in einem "Bestarium" Tier- und Fabelwesen dargestellt. Ein alter Mann, wohl der Pfarrer des Ortes, sitzt in der Kirche und stempelt unsere Pilgerpässe.  Wir nutzen die Gelegenheit und halten eine Maiandacht. Als wir fertig sind, spendet er uns zu unserer Freude den Pilgersegen. 







Heute sehen wie viele der gestern beschriebenen Horreos, es hat fast jedes Haus hier seinen eigenen.  






Wir durchqueren dichte Wälder, steigen in Hohlfuhren auf und wieder ab und lernen Galizien von seiner sehr ländlichen Seite kennen. Auch heute gehen wir über 12 km ohne Rast, dann aber kommt in Morgade eine Bar vorbei und wir kehren gerne ein. Immer wieder treffen wir andere Pilger und kommen ins Gespräch. Eine Amerikanerin, die uns schon seit Villafranca immer wieder begegnet, ist gestern gestürzt und hat sich den Arm gebrochen. Nun sitzt sie in der Bar und wir begrüssen sie herzlich. Auch vier Pilgern aus der Dominikanischen Republik laufen wir immer wieder über den Weg und singen mit ihnen deutsche und karibische Volkslieder. Der Weg ist anstrengend, es geht immer wieder rauf und dann wieder steil bergab.

Nach Morgade und Ferreiros kommen wir an den Kilometerstein 100, nun sind es also noch genau 100 km bis Santiago.  Das ist ein beliebter Fotostop und wir reihen uns in die Schlange der Wartenden ein. 








Weiter geht's, mit noch einer Pause in einen schön gelegenen Biergarten, in Richtung Portomarin, welches wir schliesslich auch erreichen. 

Portomarin wurde versetzt und an anderer Stelle wieder aufgebaut und zwar erst im Jahr 1962. Damals wurde ein Stausee am Fluss Mino gebaut und Portomarin wäre darin versunken.  Deshalb hat man viele Gebäude ab- und wieder an anderer Stelle aufgebaut.  Die Fassaden tragen die Patina der alten Zeiten und die Kirche San Juan stammt auch tatsächlich aus dem 13. Jh, nur dass sie seit den 60er Jahren halt an anderer Stelle steht. 








Wir überqueren den Rio Mino und steigen über eine uralte Treppe in die Stadt hinauf. Wir besuchen die Kirche San Juan, die heute dem hl. Nicolas geweiht ist und halten in ihr unseren Abendimpuls. Dann suchen wir unser Hotel, sehen auf dem Weg die Kirche San Pedro von 1182, die ebenfalls ab- und wieder aufgebaut wurde und beschliessen den Tag. 









Nach dem Abendbrot probieren wir eine galizische Spezialität, eine Quemada. Es ist ein grosser Spektakel, Grappa wird mit Kaffeebohnen, Zitronen- und Orangenschalen und viel Zucker in einer grossen Schüssel vermischt und dann angezündet. Es macht auch den Angestellten sichtlich Spass, uns diesen Brauch näherzubringen. Es werden dabei schaurige Geschichten erzählt, die uns unsere Elisabeth wunderbar übersetzt. Irgendwann hat es dann lange genug gebrannt und die Quemada wird in kleinen Tontassen verteilt. Dann bin ich reif fürs Bett.









Segen

Die Kraft Gottes aus den Tiefen der Erde
durchströme euch,
wie der Saft im Frühjahr
die Blumen blühen lässt.
Die Kraft Gottes aus den Höhen des Himmels
senke sich auf euch,
wie der Tau in der Nacht,
der die Erde feuchtet.
Die Kraft Gottes aus der Mitte
schütze euch,
erfülle euch,
öffne euch.

Seid behütet
Eure Karin 

Montag, 1. Mai 2017

01.05.2017


Heute haben wir die Qual der Wahl, wir können über San Xil oder über Kloster Samos gehen. Laut unseren Führern ist das barocke Kloster Samos sehenswert, der Weg über San Xil ist wohl der historischere und landschaftlich schönere. Wir entscheiden uns für die Route über San Xil.




Wir starten also in Triacastela, der Name könnte "3 Kastelle" also drei Burgen bedeuten.  In früheren Zeiten war der Ort bei Pilgern gefürchtet. Sie wurden nämlich, gleichsam als Wegzoll, für das Brennen von Steinen für die Burgen, zwangsverpflichtet. Erst wenn man eine bestimmte Anzahl von Steinen gefertigt hatte, durfte man weiterziehen.  


Wir halten unseren Morgenimpuls an der Jakobusstatue im Ortskern. Der arme Jakobus ist schon fast gänzlich verwittert.  Da heute der 1. Mai ist, steht unser Impuls ganz im Zeichen der Gottesmutter Maria. 






Wir gehen los und steigen immer bergauf durch eine schöne Landschaft, bis wir San Xil erreichen. Durch viele kleine Weiler mit vielen Horreos führt der Weg. Es regnet nicht, aber die Luft und die Wege sind sehr feucht. Überall wächst Farn und es gibt Wasser im Überfluss. San Xil, das ist der Hl. Ägyd. 







Viele Hohlwege führen nach oben und in San Xil, ein ganz kleiner Weiler, steht ein überdimensionaler Brunnen mit einer kitschigen Jakobsmuschel. So hässlich, dass ich ihn nicht mal fotografieren wollte. 

Heute zieht sich der Weg und nach San Xil kommen ein paar sehr unangenehme Hohlwege, die steil bis sehr steil bergab führen. Gut, dass wir unsere Wanderstöcke haben, ohne die wäre es um ein Vielfaches schwerer und knieheftiger als es sowieso schon ist. 

Erst nach 12 km finden wir die erste Bar und wir sind dankbar, dass wir uns nach dem anstrengenden Weg etwas erholen können. Ein Cafe von letche weckt die Lebensgeister und die Ruhe tut uns allen gut. Danach nehmen wir die restlichen Kilometer unter unsere Füsse und erreichen am späten Nachmittag unser Tagesziel Sarria.

Natürlich, das ist schon gute Tradition am 1. Mai, rufen wir bei meiner Mama an und schmettern ein Geburtstagsständchen für sie. Und wie in jedem Jahr freut sie sich riesig darüber. Am Freitag kommt sie mit Papa nach Santiago, um uns zu begrüßen und abzuholen. Darauf freue ich mich schon sehr.






Morgen werden wir die 100km-Marke knacken. Unglaublich, wie nah wir unserem Ziel Santiago de Compostela schon gekommen sind. Wir geniessen die gemeinsame Zeit, das gemeinsame Abendbrot und die guten Gespräche und Begegnungen. 




Nimm dir Zeit!

Nimm dir Zeit zum Arbeiten -
es ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit zum Denken -
es ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit zum Spielen -
es ist das Geheimnis ewiger Jugend.
Nimm dir Zeit zum Lesen -
es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm dir Zeit freundlich zu sein -
es ist der Weg zum Glück.
Nimm dir Zeit zum Träumen -
es bringt dich den Sternen näher.
Nimm dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden -
es ist das Privileg der Götter.
Nimm dir Zeit dich umzuschauen -
der Tag ist zu kurz, um selbstsüchtig zu sein.
Nimm dir Zeit zum lachen -
es ist die Musik der Seele.

Irisches Gebet


Seid behütet 
Eure Karin