Donnerstag, 4. Juni 2015

3.6.15


Unser Weg beginnt in der Altstadt vom Pamplona. Leider ist die Jakobuskirche verschlossen, so dass wir erst quer durch die Stadt hinaus nach Cizur Menor laufen, um dort in der Kirche San Juanistos, einer templerähnlichen Kirche unseren Morgenimpuls zu machen. 

Wir wagen uns an das Lernen eines neuen Kanons und starten dann beschwingt in unseren Pilgertag.
Über einen Weg, der von Pappeln gesäumt wird, geht es hinaus in die weite Landschaft.
In der Ferne erkennen wir schon eine Reihe von Windrädern, vorher führt unser Weg bergauf an einem verfallenen Weiler namens Guendulain vorbei. Wir steigen weiter auf und erreichen Zaraquiegui.
In der Kirche halte ich kurz inne, schöne Musik vom Band untermalt meine Einkehr.

Im kleinen Laden im Ort holen wir uns bei der überaus freundlichen Spanierin einen Café con letche. 

Weiter geht es stetig aufwärts auf einen sehr steinigen Pfad auf den Sierre del Perdon. 

Beim Aufstieg komme ich mit zwei Pilgern aus den USA ins Gespräch. Aaron und Rebecca, Vater und Tochter, kommen aus der Nähe von Washington DC. Sie sind in St. Jean Pied de Port gestartet und wollen in 50 Tagen in Santiago sein. Er ist Pastor und macht mit seiner Frau Judith, die ebenfalls Pastorin ist und der zweiten Tochter Martha ein Sabbatical. Rebecca und er gehen schneller als seine Frau und Martha. Jeden Abend treffen sie wieder in der Herberge zusammen. Ich wundere mich, wie gut ich mich mit den beiden in Englisch unterhalten kann und wie schnell wir oben sind. 
Wir verabschieden uns und ich gehe zu meiner Gruppe und wir vespern, als dann alle da sind. Der Einfall eines großen Mückenschwarms lässt uns fluchtartig das Plateau verlassen. 
Über einen extrem steilen und steinigen Weg geht es bergab. Die Sonne brennt und es gibt kein bisschen Schatten auf dem Weg. Uterga wird erreicht und wir haben Gelegenheit, am Dorfbrunnen unsere Wasserflaschen aufzufüllen.

Erfrischt wandern wir weiter und  finden im nächsten Ort Muruzabal ein kleines Cafe, wo wir einkehren und eine Pause machen. Weiter geht es nach Obanos, wo wir im Schatten der leider verschlossenen Kirche unseren Abendimpuls halten. 

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Puente la Reina, unserem Etappenziel. Ein grosser Pilger begrüsst uns am Ortseingang. 

Mich amüsieren sein grossen Füsse. 
In unserem Quartier lassen wir den Tag ausklingen. Meinen Füssen ist dieser Tag leider nicht gut bekommen, sie sind geschwollen und besonders der linke Fuss schmerzt gewaltig. Mal sehen, wie es morgen früh ist. Mein Pilgerpass füllt sich langsam: 


"Um deine Wurzeln zu finden, blicke rückwärts, 
um deine Kraftquelle zu sehen, blicke aufwärts, 
um dein Glück zu finden, blicke vorwärts."

Seid behütet 
Eure Karin

Dienstag, 2. Juni 2015

2.6.15


Unser dritter Pilgertag beginnt in Zubiri, wo wir erstmal Proviant einkaufen und dann in Richtung Pamplona starten. Vorbei an einer überdimensionalen Fabrik, deren Gelände kein Ende nehmen will, kommen wir voran. 


Weiter geht es auf schönen, aber staubigen Wegen nach Larrasoanna. Es war früh schon sehr warm, in der Nacht hatte es heftig geregnet und den Nebel von gestern Abend mitgenommen. 

Idyllisch führt unser Weg am Rio Arga entlang, immer wieder wechseln sonnige mit schattigen Wegen ab. Um 11.30 kehren wir in einem kleinen Café am Weg ein und geniessen die Pause und unseren Kaffee. Ein Pilger aus Blech zeigt uns, dass wir hier willkommen sind.

Ein steiler Anstieg, teilweise über Stufen schließt sich unserer kleinen Pause an. In der sengenden Sonne ist dies gar nicht so einfach für mich zu gehen.


Wir müssen aber Gott sei Dank nicht auf der vielbefahrenen Strasse laufen, sondern umgehen sie grossräumig. 


So bin ich  ziemlich froh, als wir die Vororte von Pamplona erreichen. Es steht uns wohl noch über eine Stunde durch die Stadt bevor, aber dass schaffe ich heute auch noch. Die Sonne macht mir zu schaffen, ausserdem spüre ich, dass sich eine Blase an meiner Ferse abzeichnet. 

Über die Magdalenenbrücke gelangen wir in die Altstadt und passieren passenderweise das Frankentor (Puerto Francia) . Es zieht sich noch, bis wir unser Hotel erreichen. Froh, aus dem
Stiefel zu kommen, beziehe ich mein Zimmer. Nach einer kurzen Verschnaufpause und einer erfrischenden Dusche mache ich mich auf den Weg, Pamplona zu erkunden. Altstadt und Kathedrale möchte ich gerne sehen. 

Santa Maria la Real, diesen klangvollen Namen trägt die Kathedrale von Pamplona. Wir besichtigen das angeschlossene Kloster, dass nun Museum ist und die Kathedrale.

Im Museum entdecke ich ein Wandbild mit unserem Jakobswegstationen.

Dann geht es in die Kirche.


Die Altarinsel mit dem Bischofssitz trägt eine reich geschmückte Muttergottesfigur.

Mitten im Hauptschiff steht das Grabmal des navarrischen Königspaares Karl und Leonor, welches den Bau der Kathedrale gefördert hat.


Durch die schöne Altstadt, welche immer wieder Hinweise auf die traditionelle Stierhatz im Juli zeigt, flanieren wir nach einer kurzen Einkehr. 

Ich kehre zum Abendessen ins Hotel zurück und anschließend schreib ich noch diesen Blog. Nun bin ich rechtschaffen müde und geh ins Bett.

"Gott gebe dir für jeden Sturm einen Regenbogen, 
für jede Träne ein Lachen, 
für jede Sorge eine Aussicht und eine Hilfe in jeder Schwierigkeit.
Für jedes Problem, dass das Leben schickt, einen Freund, es zu teilen, 
für jeden Seufzer ein schönes Lied 
und eine Antwort auf jedes Gebet."

(Altirischer Segenswunsch)

Seid behütet 
Eure Karin 


Montag, 1. Juni 2015

1.6.15

Der heutige Tag beginnt mit dem Morgenimpuls vor der Pilgerkapelle Santiago, die leider geschlossen ist. Wir machen uns auf den Weg durch das Tal der Dornen, so lautet die Übersetzung von Roncesvalles. Stechpalmen säumen dem schönen Weg, den wir in Richtung Zubiri einschlagen. 


Durch schöne navarrische Dörfer, von denen eines sogar ein Forchheimer Bächla hat, kommen wir gut voran. 


Die Brücken  über die zahlreichen Bäche könnten von Obelix persönlich sein: 


Der Weg führt auf und ab, steile Anstiege wechseln mit staubigen Abstiegen. Schnell erreichen wir Espinals, die Kirche im Ort ist modern mit einem uralten Turm.


Dort holen wir uns unseren Pilgerstempel, bevor der Weg wieder steil nach oben
führt. Anstrengend, weil mittlerweile die Sonne schon ziemlich heiss vom Himmel brennt. Wir sind dankbar um jedes Stückchen Wald, das wir durchqueren, um nicht dauernd der Sonne ausgesetzt zu sein. 


Wir kommen an einer langen Hecke vorbei, in die Hunderte von Kreuzen, manche versehen mit Sterbebildchen, eingeflochten sind. Auch ich denke natürlich an Flori, an Oma Frieda und an alle, die schon gegangen sind, aber noch einen festen Platz in meinem Herzen haben. Ich war nicht darauf vorbereitet, so dass ich kein Kreuz einflechten konnte, aber das war nicht so schlimm. 


Noch ein Abstieg, dann nahmen wir uns die Zeit für einen Café con Letche und genossen die Pause. Mein Regenschirm tut auch als Sonnenschirm gute Dienste. 


Der Abstieg nach Zubiri wird in den Führern als heftig beschrieben, ausserdem hält er mittendrin noch einen gar nicht so kleinen Aufstieg bereit, der in keiner Karte zu finden ist. 


So waren wir froh, als wir endlich Zubiri erreicht haben. Lt. meinem Kilometerzähler waren es heute 28 km, die wir, mit Pausen, in 7 Stunden gegangen sind. Also ich bin begeistert von meinem Füssen, wie die mich hier durch die Gegend tragen.

In Zubiri kehren wir noch ein und beschließen unseren Pilgertag vor der leider verschlossenen Kirche mit unserem Abendimpuls. 23 fränkische Kehlen singen das "Leise sinkt der Abend nieder", da hams gschaut, die Spanier! 


"Ich wünsche dir einen Engel, der dich begleitet auf deinem Weg, 
Tag und Nacht, heute und morgen, allezeit und überall. 
Möge er dafür sorgen, dass dich die Sonne wärmt,
ohne dich zu verbrennen, 
dass der Regen dich erfrischt, ohne dich zu durchnässen
und dass der Wind deine Sorgen davonträgt, 
ohne dich mit zu reissen."
(Barbara Stelzer)

Seid behütet 
Eure Karin