Sonntag, 1. Mai 2016

01.05.2016

Unser letzter Lauftag in diesem Jahr beginnt mit einem Ständchen, dass wir meiner Mama telefonisch zu ihrem Geburtstag bringen. Der 1. Mai fällt leider seit Jahren, mit einer Ausnahme im Vorjahr, in unsere Pilgertour. Also rufen wir sie immer an und gratulieren herzlich. 

Danach starten wir in Molinaseca und es geht Richtung Ponferrada. Hier dominiert vor allem die große Templerburg.







Das Wetter ist ganz wunderbar, nicht so kalt wie in den letzten Tagen und die Sonne strahlt vom Himmel. Wir nehmen uns etwas Zeit für die schöne Stadt. Sie entstand am Zusammenfluss des Sil und das Boeza. 

Der Name bedeutet Eisenbrücke. Den Boeza überquert eine mittelalterliche Brücke, den Sil überspannt seit 1082 eine eiserne Brücke, die Namensgeberin der Stadt. Sie wurde von den Templern geprägt, die im Jahr 1185 in die Stadt kamen. Sie hinterließen ihre nach Paris mächtigste Festung.
Die Burg ist als nationales Kulturgut eingestuft. Sie ist 162 m lang und 91 m breit. Aber die Stadt hat auch noch weitere Sehenswürdigkeiten.




In der Kirche San Andres halten wir unseren Morgenimpuls. 






Danach suchen wir wieder die gelben Pfeile für unseren Jakobsweg. 

Natürlich laufen wir an den schönen Ecken dieser Stadt nicht einfach nur vorbei, sondern lassen uns dafür etwas Zeit.





Die Kirche Santa Maria de Compostilla ist leider geschlossen. Gerade heute am 1. Mai hätten wir gerne hier eine Maiandacht gehalten. Kurz nachdem wir Ponferrada verlassen haben, suchen wir uns ein schönes Plätzchen in der Natur und nehmen wir uns Zeit, um Maria mit Gebeten und Liedern zu grüßen.





Wie immer zieht sich der Weg hinaus aus der Stadt hin. Viel Asphalt, viel Teer, viele Autos. Die ersten Vorstädte kommen in unseren Blick.




Die kleine Kapelle trägt das Bild des Hl. Rochus, sie ist ihm gewidmet. Überall auf dem Weg finden sich sonst Darstellungen des heiligen Jakobus.



Dieser kleine Jakobus steht auf dem Torstein zu einem Privathaus, dass wir auf unserem Weg nach Camponaraya passieren. Viele Häuser sind im traditionellen Stil mit Holzbalkonen gebaut.  Viele davon sind baufällig und es stehen Schilder "zu verkaufen" darin. Dann gibt es wieder sehr gepflegte Häuser, der Unterschied ist wirklich manchmal gravierend.






Nun säumen Felder und Weinberge unseren Weg.






In Cacabelos ist die Hölle los. Eine Autolawine mit genervten Fahrern darin wälzt sich hupend durch den kleinen Ort. Wir erfahren, dass heute in der ganzen Gegend ein sehr großer Feiertag ist. Es ist Markt und viele Menschen aus dem Umland kommen zusammen.

Wir stürzen uns ins Getümmel, um unsere Pause zu halten. Da es unmöglich ist, alle miteinander einen Platz zu bekommen, teilen wir uns auf. Wir geraten im Gedränge in einen Innenhof und finden uns in einem kleinen Laden wieder. Die sehr nette Inhaberin lädt uns auf ein Glas Wein und einen Imbiss ein. Sie erklärt uns, dass dies eine alte Tradition ist, auf diese Weise werden die Pilger begrüßt und geehrt.




Nach der verabredeten Zeit treffen wir uns alle wieder und setzen unseren Weg fort. Diese führt uns mitten durch das Marktgetümmel.



So wie bei uns zu Hause gibt es hier auch regionale Spezialitäten und den billigen Kitsch, den es auf jedem Markt gibt.



Der Rio Cua fließt mitten durch die Stadt. Heute am Sonntag sind viele der Kirchen geöffnet.




Wir besuchen die Kirche Quinta Angustia aus dem 18. Jahrhundert. In der barocken Kirche befindet sich ein kurioses Retabel, welches wir jedoch nicht gefunden haben. Hätten wir es gefunden, so hätten wir eine Darstellung des Hl. Antonius von Padua und dem Jesuskind gesehen. Das Originelle darin ist, dass beide, der Heilige und das Jesuskind, in ein Kartenspiel vertieft sind.

In der Kirche übt ein Mann mit einem Jungen in einer ohrenbetäubenden Lautstärke ein Lied. An Besinnlichkeit ist nicht zu denken.





Die Maria steht auf einem Tragegestell. Wir mutmaßen, dass am Vormittag eine Prozession statt gefunden hat.


Der Weg führt uns hinaus über viel Asphalt zum Weiler Pieros. Zuerst bleibt uns nichts anderes übrig,  als auf der vielbefahrenen Straße zu bleiben. Wir sind froh, als wir die Straße nach rechts durch die Weingärten verlassen können.





Leider ist dies das letzte Bild, dass ich heute machen konnte. Denn zum ersten Mal lässt mich der Akku meines Handys im Stich. Wir wandern weiter durch die Weingärten des Bierzo. Auf und ab geht es und der Weg steigt an und fällt ab und es dauert noch eine ganze Weile, bis unser Tages- und Jahresziel Villafranca del Bierzo in unseren Blick kommt. 

Wir folgen dem Weg und kommen an der Jakobskirche (Iglesia Santiago) vorbei. Trotzdem es heute Sonntag ist, ist sie verschlossen. Diese Kirche besitzt ein ganz besonderes Portal, die Puerta del Perdon (Tor der Vergebung). Hier konnten Pilger, die zu krank oder zu schwach waren, weiter zu gehen und Santiago zu erreichenden vollkommenen Ablass erhalten. Auf dem angeschlossenen Friedhof haben viele Pilger ihre letzte Ruhe gefunden.

Villafranca, der Name verrät es, war eine Stadt der Franken. Sie entstand 1070 und wurde von den Benediktinern von Cluny regiert. Es gab zwei Bürgermeister, einen für die Franken und einen für die Spanier.

Wir laufen, bis wir zum Marktplatz kommen. Dort kehren wir noch einmal kurz ein. Auf dem Weg zu unserer Herberge passieren wir die Kirche San Francisco aus dem 13. Jahrhundert (hier übernachtete der Legende nach der hl. Franziskus auf seinem Weg nach Santiago) und das Schloss des Marquis aus dem Jahr 1490, das seit dem Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon keine Türme mehr hat. Ein weiteres Kloster der Franziskanerinnen liegt auf unserem Weg.
Im Schatten der verschlossenen Stiftskirche Santa Maria de Cluniaco aus dem 16. Jahrhundert beschließen wir mit einem Gebet und einem Lied unseren letzten Pilgertag.

Ich bin froh und dankbar, dass wir alle gesund und munter diese Pilgertour gemeistert haben. Morgen geht es über Madrid wieder nach Hause.



Segne mir meinen Blick

Gott segne mir die Erde, auf der ich jetzt stehe.
Gott segne mir den Weg, auf den ich jetzt gehe.
Gott segne mir das Ziel, für das ich jetzt lebe.

Du Gott,
segne mich auch, wenn ich raste.

Segne mir das, was mein Wille sucht,
segne mir das, was meine Liebe braucht,
segne mir das, worauf meine Hoffnung ruht.

Du -  segne mir meinen Blick.


Seid behütet
Eure Karin

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